Ein Abend im Teatro Rossetti in Triest

Das Theater liegt etwas abgelegen am Rande der Innenstadt. Natürlich habe ich mir den Weg auf dem Stadtplan genau angeschaut, aber dann lande ich doch zunächst am Justizpalast und dann an der Synagoge, entdecke zwischendurch noch ein wunderbares Cafe und finde schließlich die lange, schmale Straße, in der das Nachtleben tobt und an deren oberem Ende das Theater liegt.
Die Kasse ist geöffnet.
Ich versuche mein Glück. Auf Italienisch. Oder was ich dafür halte.
„Eine Karte bitte!“
Die Dame hinter der Glasscheibe schaut mich mit großen Augen an. Also mit diesem amüsierten Blick, mit dem man Menschen anschaut, die nicht so ganz richtig im Kopf sind.
„Jaaaaaa?“
„Äh…. für heute vielleicht?“
Immer noch dieser amüsierte Blick.
„Soso… für heute!“
Sie verdreht die Augen.
„Äh…. ja?! für Heute!“
„Okay, dann suchen Sie sich mal einen Platz aus!“
Ich starre sie an wie ein Auto.
Sie deutet auf den Bildschirm, der in dem Fensterchen in meine Richtung zeigt.
„Alle grünen Plätze sind noch frei!“
„Ähem…. und was kosten die?“
Sie lässt sich dazu herab, mir zu erklären: Die guten Plätze im Parkett für fünfundzwanzig Euro, oben gibt’s welche für zwanzig und sogar auch welche für zwölf Euro.
Bingo! Nehme ich doch einen für zwölf. Im Internet hätte es welche für zwanzig, vierzig oder sechzig Euro gegeben.
Karte ist gekauft, ich habe noch anderthalb Stunden Zeit und jetzt brauche ich unbedingt etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Stolz wie Oscar betrete ich die Bar gegenüber und genehmige mir ein Bier und ein Tramezzino
Und dann suche ich das tolle Cafe von vorhin auf. Da gibt’s nicht nur Kaffee, sondern auch Bücher und zum Espresso bekomme ich ein kleines Stückchen Kuchen.
Dann gehe ich wieder zum Theater zurück. Inzwischen ist da eine Menge los: viele junge Leute und Jugendliche drängen sich vor dem Eingang.
Das Foyer ist schnörkellos und unspektakulär. Im gläsernen Aufzug geht es hinauf – mein billiger Platz ist auf dem zweiten Balkon. Die Leute sind durchweg leger gekleidet, meine Krawatte, die ich mir vorhin noch schnell umgebunden habe, war definitiv nicht nötig. Es gibt keine Garderobe, fast alle Zuschauer nehmen ihre Mäntel mit in den Saal.
Innen ist das Theater fröhlich bunt, fast kitschig, mit schnörkeligen Eisensäulen und einer Deckenkuppel, die mit Wolken und Sternenhimmel bemalt ist. Ein richtiges Volkstheater. Die Stimmung erinnert ein wenig an einen Zirkus.
Die Bühnendekoration ist simpel: ein Etwas, das wohl eine Art Schiff darstellen soll, ein Klavier. Das ist alles.
Fröhliches und aufgeregtes Stimmengewirr im Saal. Dann geht das Licht aus, die Sterne am Sternenhimmel funkeln und es geht los.
Ich verstehe kein einziges Wort. Aber die Stimmung ist großartig. Es wird gesungen, getanzt und ziemlich viel gelacht. Die Kostüme und der Stil erinnern ein wenig an die Comedia del Arte, dem Titel nach scheint es sich um eine ziemlich freie Interpretation von Shakespeare’s Othelo zu handeln. Ab und zu schnappe ich ein paar Worte auf und die Melodien kommen mir bekannt vor, so ziemlich alles vom Italo-Pop über Rock bis hin zu Klassik-Schnulzen kommt vor und wird mit neuen Texten versehen, vermutlich handelt es sich um Satiren, denn immer wieder wird herzlich gelacht.
Zwei Stunden lang geht es ohne Pause durch, dann tobender Applaus und die Menschenmassen wälzen sich wieder auf die Straße hinaus, die langgezogene Straße entlang, in der das Nachtleben tobt.
Ich gehe noch einmal hinunter ans Meer, wo die Wellen sanft gegen den Molo Audace rauschen…

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