Abschied von Venedig

Die Pizza Margarita ist lappig und matschig, aber… okay, große kulinarische Meisterwerke habe ich hier eh nicht erwartet. Es gibt noch einen Kaffee, dann stehe ich auf. Erstaunlich sauberes Klo mit winzigem, vergittertem Fensterchen, das Gitter ist solide aus Eisen geschmiedet. Ich lege meinen Zehneuroschein auf den Tresen und gehe.
Es ist ungefähr halb acht und den Weg zum Hotel habe ich unterschätzt. Blick auf die Kirche Salute, Blick auf San Giorgio, über die kleine Piazza San Zacharia und diese wundeschöne kleine Piazza dahinter, um ein paar Ecken herum, an der Rückseite des Dogenpalastes vorbei -dann hole ich mein Gepäck ab und mache mich auf zum Bahnhof.
Neunzehn Uhr zweiundvierzig. Jetzt aber zügig!
Über den Markusplatz zur Vaporetto-Station. Hektik. Ich renne zwischen den verschiedenen Anlegern hin und her. Das Boot der Linie zwei fährt nicht, ich muss die langsame Nummer eins nehmen – wie lange dauert das? Vierzig Minuten, sagt die Dame am Schalter. Reicht das aus? In zwei Minuten geht das nächste Boot, um Zwanzig uhr Siebenundfünfzig geht der Zug. Ich habe ja gar keine andere Wahl.
Ganz langsam gleitet das Boot über den Canal Grande…. Die Kirche Santa Maria della Salute… viele Zwischenstationen bis zur Rialto-Brücke… verstohlener Blick auf die Uhr: zehn nach acht.
Blick auf die Paläste: Das ist doch einfach wunderschön! Ob ich es rechtzeitig schaffe? Ich könnte aussteigen und zu Fuß rennen, vielleicht wäre ich dann schneller… nee, das mache ich nicht! Also genieße ich die langsame Fahrt… immer wieder diese Anlegemanöver: der Fahrer verlangsamt die Maschine, der Schaffner oder Matrose oder was auch immer er ist wirft das Tau um den Poller, der Fahrer fährt rückwärts und presst das Boot an den Anleger, der Matrose schiebt das Gitter zurück, Aussteigen, Einsteigen, Warten auf Nachzügler, Gitter zu, Leinen los und weiter… ab und zu warten auf Gegenverkehr, wenn an der Haltestelle schon ein anderes Schiff liegt… um halb neun sind wir eine Station vor dem Bahnhof, an der Kreuzung, wo der einzige ebenfalls von Vaporettos befahrene Seitenkanal abgeht, um Zwanzig ihr vierunddreißig dann am Bahnhof….. ich steige aus…. noch ein Blick auf den Canal Grande, genau denselben Blick wie bei der Ankunft… dann drehe ich mich um und der Bahnhof ist ein ganz normaler Bahnhof. Mein Zug steht an Gleis acht bereit.
Mein Schlafwagen-Abteil ist im zweitvorderen Wagon. Anscheinend sind gar nicht viele Reisende unterwegs. Ich steige ein, mache mich in meinem Abteil breit, öffne eine Flasche Bier und genieße die Fahrt

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