Im Nachtzug von Venedig nach München

Das Single-De-Luxe-Schlafwagenabteil, unterscheidet sich vom Standardabteil durch ein eigenes Klo und eine eigene Dusche. Es gibt ein Bett (mit ziemlich kleinem Kissen) und kleinen Sitz am Fenster, aber keine Ablagefläche. Zum Glück eine Steckdose und verschiedene Leselampen. Das Rollo ist heruntergelassen, aber man kann es öffnen.
Ich richte mich ein und der Zug fährt los, über den Damm nach Mestre und dann lasse ich die nächtliche Landschaft wie einen Film an mir vorbeiziehen.
Ich probiere die Dusche aus – die wird nicht richtig warm, aber immerhin, nach so einem Tag in Venedig ist es angenehm erfrischend.
Ich schaue weiter aus dem Fenster und dann kommt auch schon Udine und dahinter irgendwo beginnt so etwas wie eine dunkle, wilde Berglandschaft.
Ich döse ein und wache auf, ein längerer Halt: Tarvisio Boscoverde, die Grenzstation, ein erstaunlich großer Bahnhof. Draußen liegt Schnee.
Ich döse wieder ein, der Zug fährt weiter, ziemlich langsam…. dann ein sehr, sehr langer Halt in Villach, draußen liegt Schnee. Die Polizei klopft an die Abteiltür und will meinen Ausweis sehen, ich döse weiter in einer Art Halbschlaf, bilde mir ein, die ganze Zeit über das Rattern zu hören und versuche, zu erahnen, wo wir gerade sind, ohne die Augen zu öffnen.
Es geht langsam und offenbar in Kurven bergan, dann werden die Fahrtgeräusche lauter, das muss der Tunnel zwischen Mallnitz und Böckstein sein, dann nach einer Weile wieder ein längerer Halt, es wird geruckelt und gekuppelt, eindeutig Salzburg. Um vier Uhr fünfundzwanzig soll es weiter gehen. Und wieder klopft es an der Tür, diesmal die deutsche Grenzkontrolle, aber ich bin eh wach.
Ich stehe auf, dusche und ziehe mich an, dann klopft es erneut, um kurz nach fünf, es ist die Schaffnerin mit dem Frühstück. Draußen stockdunkel. Es gibt eine Semmel, Kaffee, Apfelsaft und ein kleines Weißbrotzopfdingsda, dazu Butter, Marmelade und Leberwurstaufstrich. Ich richte mich mit meinem Kaffee auf dem Bett ein, dann klopft die Schaffnerin erneut, sammelt das Tablett ein, immerhin bietet sie mir ungefragt einen zweiten Kaffee an.
Ich höre Musik und schaue aus dem Fenster, hinter Rosenheim beginne ich, meine Sachen zusammen zu packen. Draußen die ersten Münchener Vororte. Halt in München Ostbahnhof. Keine Hektik! München Hauptbahnhof. Ich balanciere meine Sachen durch den Korridor und steige aus.