Kiruna, die nördlichste Stadt Schwedens – und eine der Seltsamsten

Kiruna ist kein typischer Ort für Schweden. Sogar ein sehr untypischer… und doch auch wieder ein Ort, den ich seit meiner Kindheit, seit dem Sachkundeunterricht in der dritten Klasse kenne: Hier wird das Erz abgebaut, welches dann mit der Erzbahn nach Narvik und von dort mit dem Schiff nach Rotterdam, und von dort mit dem Binnenschiff ins Ruhrgebiet gebracht wird. Später habe ich erfahren, dass das meiste Erz, welches im Ruhrgebiet „verhüttet‟ (es heißt wirklich so!) wurde, gar nicht mehr als Schweden kam, aber das ist eine andere Geschichte. Der Name Kiruna ist in meinem Kopf hängen geblieben. Und jetzt bin ich da. Am Busbahnhof.
Wo ist das Zentrum? Gleich um die Ecke? Hier in der Nähe gibt es ein modernes Rathaus mit einem eisernen Turm, dahinter eine hohe, dunkle Abraumhalde. Die Fußgängerzone ist kurz, endet an einem kleinen Platz und es gibt nur wenige Geschäfte. An dem Platz ist eine Bühne aufgebaut und es stehen Kinder-Karussels. Ich folge der Straße, gelange in Wohngebiete – Sechziger-Siebziger-Jahre-Wohnblocks, dazwischen alte Holzhäuser. Auf einer Anhöhe liegt eine Schule, von dort aus hat man einen schönen Blick über die Stadt. Am Stadtrand ist eine begrünte Abraum-Halde mit einer Ski-Abfahrt.
Auf der anderen Seite des Zentrums ist inmitten eines kleinen Birkenwäldchens die berühmte große Holzkirche: von außen sauber und modern, von innen schön hell und luftig… der Turm steht etwas abseits. Ein freundlicher Kirchen-Mitarbeiter beantwortet Fragen: in wenigen Jahren wird diese Stadt umziehen. Die gesamte Stadt wird abgerissen und ein paar Kilometer weiter neu gebaut. Diese Kirche ist das einzige Gebäude, was bleiben darf, sie wird demontiert und an neuer Stelle wieder zusammengesetzt.
Ich gehe in die Stadt zurück und finde ein gemütliches Café, wo ich den Rest meiner Wartezeit verbringen kann. Um drei Uhr bin ich wieder am Busbahnhof, von wo aus mich der Shuttle-Bus nach draußen zum neuen Bahnhof bringt.