Von Bari nach Bologna: noch ein bisschen Sommer

Im Bahnhofscafé von Bari noch ein Espresso im Stehen, dann los zum Gleis.
Der Zug ist pünktlich, bequem und klimatisiert. Stunde um Stunde geht es am Meer entlang: blauer Himmel, blaues Meer, Palmen, Strand und Hotelanlagen…
Der füllige Herr im Sitz gegenüber hat die Augen geschlossen und imposante Kopfhörer auf den Ohren. Manchmal schnarcht er, dann wieder scheint er aufmerksam seiner Musik zu lauschen und spielt mit den Händen Klavier. Der schmale junge Mann neben ihm – Marken T-Shirt, auffällige Sonnenbrille und gegeltes, schwarzes Haar – spielt auf seinem Handy. Hinter Pesaro wird es dämmerig, die Autos haben Licht an und am Himmel sind Wolken aufgezogen. Dann ist das Meer plötzlich weg. In Rimini steigt eine junge Mutter mit Kinderwagen aus, da ist es schon richtig Dunkel.
In Bologna findet sich zum Glück noch eine offene Pizzeria in Bahnhofsnähe. Essen und Bier sind nicht schlecht, aber zu teuer.
Draußen ist es kühl geworden.

Fähre von Bari (Italien) nach Durres (Albanien)

Aktuell (September 2017) gibt es (mindestens) zwei Fährgesellschaften, welche die Strecke bedienen.
Sowohl Fahrzeiten als auch Preise sind weitgehend identisch. Die Buchung gelingt problemlos online durch eines der großen Buchungsportale.
Abfahrt von Bari ist um 23:00 Uhr, man muss zwei Stunden vorher im Hafen sein, heißt es im Ticket-Ausdruck. Der Check-In-Bereich (Eine Reihe von Abfertigungsschaltern der verschiedenen Fährgesellschaften im Freien, überdacht) befindet sich ca. ein bis zwei Kilometer westlich vom Liegeplatz des Schiffes entfernt.
Der Taxifahrer vom Bahnhof verlangt zunächst einen Fixpreis von 12 EUR, der aber angeblich „nur“ zum Hafeneingang gilt und schlägt dann noch einem 3 EUR für die Strecke bis zum Check-In drauf.
Vom Check-In gelangt man dann mit einem Gratis-Shuttle-Bus zum Liegeplatz des Schiffes, dort geht man durch die Zollkontrolle und dann zu Fuß auf das Schiff.
Hinfahrt mit „Rigel 3“ von Ventouris Ferries: Man geht zu Fuß durch die Klappe in den Fahrzeug-Bereich, von dort führt eine Rolltreppe nach oben zu einer schicken „Rezeption“, dort werden die Kabinen zugewiesen.
Kabine war okay: zwei Betten übereinander, ein Sessel, kleine Nasszelle. Auf dem Schiff gibt es ein Selbstbedienungs-Restaurant, mehrere Bars, sogar eine „Disco“. Das Schiff war offenbar früher einmal auf der Ostsee in Skandinavien unterwegs.
Ankunft in Durres pünktlich gegen 08:00 Uhr (Siehe: Hafen Durres)
Rückfahrt mit „Rigel 1“, ebenfalls von Ventouris Ferries: Das Schiff ist älter, war wohl früher einmal zu Sowjet-Zeiten vom damaligen Leningrad aus auf der Ostsee unterwegs (in einem Treppenhaus hängt eine Collage mit Abbildungen aus Leningrad!), aber ordentlich. Es gibt nur eine Bar und ein Seif-Service-Restaurant.

Ein Morgen in Bari

Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne wärmt schon am frühen Morgen.
In einem Straßencafé ein Cappuccino und ein zuckeriges Croissant, mit Pistaziencreme gefüllt.
Dann durch die Innenstadt: über den schattigen Corso Cavour und breiten palmengesäumten Corso Vittorio Emanuele, dann einen Blick in die Kathedrale geworfen (die tatsächlich „Kathedrale‟ heißt und nicht „Dom‟) und weiter zur normannischen Festung. Da ist es Zeit für den nächsten Cappuccino.
Das deutsche Paar am Nebentisch gibt den bettelnden Kindern ihre leeren Fanta-Dosen, welche gleich wütend auf die Straße geworfen werden. Hier gibt es kein Dosenpfand. In den verwinkelten Altstadtgassen stellen Frauen Orecchiette her und trocknen sie in hölzernen Rahmen. Auf der Piazza Umberto vor der Universität laden Bücher-Kioske zum Stöbern ein.

Von Durres nach Bari: über das Meer zurück

Am frühen Abend geht’s wieder zum Hafen. Noch ein schnelles Bier vor dem Check-In, dann durch die üblichen Kontrollen und auf den Dampfer. Noch ein zweites Bier und ein paar Spaghetti an Bord, dann ein paar Stunden Schlaf. In aller Frühe wird vehement gegen die Kabinentür geklopft, obwohl sich der Dampfer immer noch auf hoher See befindet, mindestens eine Stunde vom Ufer entfernt.
Wenn wir dann endlich an Land sind, brennt die Sonne schon heiß auf die Mauern der großen Hafenstadt. Es bleibt noch Zeit um über weite Boulevards und durch enge Altstadtgassen zu schlendern und die Festung und die Kathedrale zu besuchen.

Weiter geht’s: vom Gargano nach Bari…

Ein Morgen dämmert herauf. Das Gewitter ist vorbei, der Sturm hat sich verzogen, aber der Himmel ist bedeckt und es regnet immer noch leicht. Die weiße Stadt wird langsam wach.
Im Hotel noch ein Cappuccino, dazu ein überzuckertes Croissant und dann geht es los. Eine lange Reise liegt vor uns.
An der Bushaltestelle nieselt es nur ganz leicht, aber schon während der kurzen Fahrt über den bewaldeten Hügelrücken hinüber in die Nachbarbucht von Calenella wird der Regen wieder heftiger. Calenella ist die Endstation der Gargano-Bahnlinie, aber heute fahren hier keine Züge.
Ein Ersatzbus steht abfahrbereit da und der Regen pladdert inzwischen so heftig, dass mir die paar Meter zum Bahnhofscafé zu weit sind und ich lieber die halbe Stunde im Bus sitzen bleibe. Dann geht es los: An der Küste entlang bis Rodi, dann landeinwärts, hin und wieder Blick auf die Lagune von Varano, zwischendurch Halt an winzigen Bahnhöfen im Nirgendwo – der Bus muss sich über kleine Stichstraßen dorthin quälen und mysteriöserweise steigen tatsächlich Leute ein und aus.
In Varano endlich kann man in den Zug umsteigen. Über Apricena und San Severo geht es nach Foggia. Der Anschlusszug fährt uns buchstäblich vor der Nase weg, also Zeit für einen Cappuccino im blitzsauberen und belebten Bahnhofscafé.
Dann im Bummelzug nach Bari: die Strecke führt weitgehend durch das Landesinnere, nur ab und zu blinkt das Meer durch. In Bari scheint wieder die Sonne: Vor dem Bahnhof ein Kreisverkehr mit eindrucksvollem Springbrunnen, eine Touristeninformation, die aber wg. Mittagspause-Siesta gerade geschlossen ist, eine Fußgängerzone führt in die Innenstadt.