London für Einsteiger: Herumkommen (Erste Grundlektion für das Nutzen von Bus und Bahn)

Ein allererster Tipp: Auch wenn London riesengroß ist – die Innenstadt ist erstaunlich kompakt, viele Sehenswürdigkeiten lassen sich zu Fuß erkunden und es gibt viele spannende „Walking Tours‟. Aber davon später.
Wer in London von A nach B kommen will, hat die Qual der Wahl. Es gibt Taxi, Bus, U-Bahn und Zug. Einige Vorort-Bahnlinien mit dichter Zugfolge haben eine gewisse Ähnlichkeit mit S-Bahn Linien (z.B. – aber nicht nur – das „Overground Network‟). Außerdem gibt es noch Leihfahrräder, Fahrrad-Rikschas, eine Straßenbahn, Ausflugsboote auf der Themse und auf den Kanälen und sogar eine Seilbahn. Aber davon später.
Alle öffentlichen Verkehrsmittel gehören zu „Transport for London‟ (TfL).
Tickets bekommt man beim Busfahrer und an den Fahrkartenautomaten und (wenigen) Schaltern an den U-Bahn-Stationen und Bahnhöfen. Bei der U-Bahn und bei den Vorortzügen wird der Zugang zu den Bahnsteigen durch Schranken geregelt. Hinein kommt man nur mit Ticket. Innerhalb des „kontrollierten Bereichs‟ kann man dann, wenn nötig, umsteigen, beim Ausgang aus dem Bahnhof wird das Ticket wieder kontrolliert. Schwarzfahren ist also so gut wie unmöglich. Bei Bussen muss für jede Fahrt ein neues Ticket gelöst werden, es ist also sinnvoll, möglichst selten umzusteigen.
Die Preise für Einzelfahrscheine wurden in den vergangenen Jahren fast prohibitiv erhöht. Wer also heutzutage beim Busfahrer oder am U-Bahn-Automaten ein Einzelticket löst, zahlt viel mehr – fast doppelt so viel – wie nötig.
Eigentlich jeder, der die öffentlichen Verkehrsmittel in London nutzt, besitzt (mindestens) eine „Oyster Card‟. Das ist eine mit einem Chip versehene Plastikkarte, auf die man einen beliebigen Geldbetrag „aufladen‟ kann. Die Karte muss vor jeder Bus- und Bahnfahrt an die gelben Lesegeräte gehalten werden – und zwar, ganz wichtig – bei U-Bahn und Zug auch beim Aussteigen (bei Bussen reicht es, die Karte beim Einsteigen vorzuzeigen). So wird bei jeder Fahrt der entsprechende Betrag automatisch abgebucht („Touch in – touch out‟). Vorsicht: vor allem bei außerhalb gelegenen Stationen gibt es beim Ausgang keine Sperren. Das verleitet dazu, einfach so hindurch zu marschieren. Das aber ist fatal: dann wird auf der „Oyster Card‟ ein Maximalbetrag – eine Art Strafgebühr – abgebucht. Also: beim Aussteigen darauf achten, die Karte an das gelbe Lesegerät zu halten.
Die „Oyster Card‟ bekommt man in den U-Bahn Stationen an entsprechenden Automaten für 5 GBP, wobei dieser Betrag – rein theoretisch – auch bei Rückgabe der Karte (am Schalter) zurückerstattet wird. Das Aufladen geht an den Automaten entweder mit Bargeld, Kreditkarte oder Bankkarte (deutsche Bankkarten funktionieren nicht immer, Kreditkarten in der Regel schon).
Gute Nachricht für Leute, die viel unterwegs sind: pro Tag wird nur ein Maximalbetrag – vergleichbar mit den Kosten für ein „Tagesticket‟ (welches es am Automaten immer noch gibt) abgebucht.

Von Narvik nach Kiruna

Um viertel nach sechs bimmelt mein Handy mich wach – nach vier Stunden Schlaf. Draußen ist es genauso hell wie zuvor um kurz nach zwei.
Ich stehe auf, packe meine Sachen, checke aus und breche auf. Ich muss noch tanken und den Wagen zurück bringen, der junge Mann von der Verleihstation bringt mich zum Bahnhof.
Es ist etwa halb neun. Das Bahnhofsgebäude ist geöffnet, ein einzelner Mann sitzt vor seinem Gepäck auf einer Bank. Er wirkt müde und übernächtigt, versteht kein englisch und wirkt auch nicht skandinavisch, vielleicht kommt er aus Russland. Jedenfalls kann er mir nicht sagen, wo man hier einen Kaffee bekommt.
Das Einkaufszentrum macht erst um zehn Uhr auf, ansonsten ist alles geschlossen.
Ich gehe noch einmal durch die Stadt: der kleine Park mit dem Kriegerdenkmal, das Wohngebiet auf der anderen Seite der Hauptverkehrsstraße: Holzhäuschen, in den Gärten wuchern Gras und Wildblumen, ab und zu Sträucher und Stauden, ganz selten mal ein gemähter Rasen. Frische Luft und Vogelgezwitscher.
Als ich kurz nach neun wieder am Bahnhof bin, warten schon mehrere Leute.
Das also ist Narvik. Den Namen des Ortes kenne ich seit dem Sachkundeunterricht in der dritten Klasse: der nördlichste Bahnhof Europas. Aber heute geht kein Zug, nur ein Bus, der taucht dann endlich auf und fährt pünktlich um halb zehn los.
Zunächst geht’s am Fjord entlang, bis über die Brücke, dann rechts ab hinauf ins Fjäll. Wolken über den schneebedeckten Bergen, und schon bald hat man die Baumgrenze überquert, es geht über Wiesen mit Felsbrocken darauf, flachwellige Landschaft mit Seen und überall Ferienhäuschen, alle paar Meter steht eines, über den ganzen Talboden verstreut. Und immer wieder Schneereste.
Wir erreichen die schwedische Grenze: es gibt noch ein Zollhäuschen, aber der Bus braust ohne Halt daran vorbei. Hinter der Grenze liegt ein Ski-Resort namens Riksgränsen: die Ortschaft besteht fast ausschließlich aus Hotels und Chalets. Einige Leute steigen aus. Kurz darauf kommt Abisko, ein ähnlicher Ort. Dann geht es am Ufer des langgezogenen Sees entlang durch eine karge Steppenlandschaft mit lichten Birkenwäldern dazwischen. Die Sonne kommt raus und jetzt ist die Landschaft wunderschön.
Trotzdem schlafe ich ein und wache kurz vor Kiruna auf. Es ist zwölf Uhr. Wir halten am Bahnhof. Mein Zug steht schon bereit, aber ich habe noch vier Stunden Zeit, also fahre ich weiter in die Stadt – die liegt ein paar Kilometer weiter.
An der Busstation steige ich aus.
Jetzt bin ich also in Schweden. Auf der Hinreise habe ich dieses Land einmal komplett von Süd nach Nord durchquert, habe viel Landschaft gesehen, mich aber nirgendwo aufgehalten. Nach dem Bahnhof von Stockholm ist Kiruna also die erste schwedische Stadt, in der ich ein bisschen Zeit verbringen kann.

Triest: der Bus nach Miramare

Ich will nach Miramare.
Dazu muss ich herausfinden, wie man da hin kommt. Mit dem Bus, ist die einheilige Meinung. Und wie funktionieren die Busse?
Ich finde einen Bus. Der hält an der Haltestelle an, ich frage den Fahrer und die Richtung stimmt.
Ich setze an, einzusteigen und hole meine Brieftasche hervor – das meiner Ansicht nach weltweit international eindeutige Zeichen dafür, dass ich irgend etwas käuflich erwerben möchte, in diesem Falle also eine Fahrkarte.
Der Fahrer schaut mich streng an und winkt mit dem Zeigefinger ab: „No Tickets!“ – und wo gibt’s welche? Der Fahrer macht eine Vage Bewegung in irgendeine Richtung, schließt die Tür und dieselt davon.
Ich gehe zum Hotel zurück und frage die junge Frau an der Rezeption.
Sie erklärt mir, dass man die Bustickets im Tabakladen kauft und weist mir umständlich den Weg zur nächstgelegenen Verkaufsstelle.
Ich gehe stattdessen zum Bahnhof, das ist zwar vermutlich weiter, aber immerhin weiß ich, wo der ist. Da gibt’s auch einen Tabaksladen und der hat auch Busfahrkarten und der Mann hinterm Tresen kann mir auch sagen, welche Buslinie ich benötige…. nach längerem Suchen finde ich dann tatsächlich auch eine entsprechende Haltestelle.
Die Haltestelle befindet sich vor einem Cafe. Vor dessen Tür stehen – wie inzwischen überall im Land üblich – zwei Bistrottische mit Aschenbechern, da man drinnen ja nicht mehr rauchen darf. Auf einem Barhocker hockt ein Mann und raucht. Und redet. Und redet agitiert mit sich selbst oder mit irgendwem oder mit niemandem, manchmal steht er auch auf, geht ein paar Schritte, geht dann wieder zurück, raucht und redet weiter.
Ich bemühe mich, seine Aufmerksamkeit nicht übermäßig in Anspruch zu nehmen.
Dann gesellt sich eine junge Frau zu mir. Eine Italienerin afrikanischer Herkunft. Ob der Bus schon gekommen ist, fragt sie mich. Nee, sonst stünde ich ja wohl kaum mehr hier, oder? Sie schaut auf den Fahrplan, schaut auf ihr Handy, schaut auf die Straße, schaut in die Richtung, aus welcher der Bus kommen müsste, schaut erneut auf den Fahrplan. Nein, der Bus ist schon vorbei! Oder doch nicht? Nein, der Bus ist schon vorbei!
In einer Viertelstunde kommt der Nächste. Steht so im Fahrplan. Oder auch nicht? Irgendwann wird er schon kommen….