Juni 2014: Kurztrip nach Schweden und Norwegen zur Mitternachtssonne

Juni 2014: Kurztrip zur Mitternachtssonne:

  • Ich habe eine Woche Zeit. In Deutschland beginnt der Sommer. In den Süden will ich nicht. Im Norden war ich noch nie (…also noch fast nie: abgesehen von einem kurzen Abstecher nach Malmö). Plötzlich habe ich die fixe Idee: Ich will in die Mitternachtssonne. Mit dem Zug fahre ich bis Narvik, wo ich dann zwei Tage lang Zeit habe, per Mietwagen die Lofoten zu erkunden, bevor es dann über Kiruna und Stockholm wieder heimwärts geht…

Die Route:

Die lange, lange Fahrt von Stockholm nach Deutschland zurück

Gegen 5 Uhr klingelt das Handy mich in meinem Stockholmer Hotel aus dem kurzen Schlaf – da ist es schon seit mindestens zwei Stunden hell. Ich mache mich auf den kurzen Weg zum Bahnhof. Es ist mild, nicht warm, nicht kalt, aber der Himmel ist bedeckt. Am Bahnhof ist schon eine Menge los und der Zug nach Kopenhagen fährt pünktlich los. In der Ersten Klasse gibt es eine kleine Frühstücksbox mit zwei kleinen Scheiben Käse, Schinken, einem Joghurt und einem kleinen Becher Orangensaft und Einmalbesteck aus Holz. Dazu Kaffee und kleine, warme Brötchen. Ich bin müde aber trotzdem aufgedreht, lese und schaue aus dem Fenster: Wald, Felder, Seen, Orte, die Landschaft ist weitgehend flach bis wellig und kommt mir jetzt unspektakulär vor. Kaffee und Äpfel gibt es bis zum Abwinken. Ehe ich mich versehe, bin ich in Malmö: der unterirdische Bahnhof, dann die Öresundbrücke und kurz darauf Ankunft in Kopenhagen pünktlich auf die Minute.
Der Zug nach Hamburg steht direkt am Nebengleis und ist brechend voll: ein Diesel-ICE der dänischen Staatsbahn. Leute stehen mit Gepäck auf den Gängen, es gibt kein Durchkommen.
Fahrt durch Dänemark: hin und wieder ein Ort, Brücken über Meeresarme, Küstenlinie, ansonsten flaches, grünes Land.
Dann die Fähre. Ein deutlich größeres Schiff als bei der Hinfahrt, der Zug nimmt die gesamte Länge des Schiffes ein. Enge Stiegen nach oben. Draußen regnet es. Auf dem oberen Deck – dem einzigen Ort, wo man sitzen kann ohne etwas verzehren zu müssen – sind fast alle Tische und Stühle besetzt. Auf den anderen Decks gibt es ein All-you-can-eat-Buffet für 18 Euro oder Wurst in allen Variationen, Pommes, Kaffee und den üblichen Süßkram. Der Regen lässt nach, ich gehe nach draußen und schaue beim Anlegen zu, die vordere Klappe wird geöffnet und dann darf man auch wieder hinunter in den Zug.
Der Zug rollt langsam an Land, rollt in den Bahnhof Putgarden (der keine hundert Meter vom Anleger entfernt liegt) und ich bin wieder in Deutschland.

Vier Stunden in Kopenhagen

Kopenhagen Hauptbahof. Wetter wolkig, aber mild, die Einheimischen laufen kurzärmelig herum.
Ich steige also aus und schleppe mein Gepäck die Treppe hoch in eine großzügige Bahnhofshalle, in der es alles gibt, was man so braucht. In meinem Fall zunächst mal einen Geldautomaten. Der spuckt ein Bündel Kronen-Scheine aus. Einen davon wechsele ich in Münzen und packe das Gepäck in ein Schließfach. Los geht’s!
Gleich gegenüber vom Bahnhof ist der Eingang zum Tivoli. Lohnt sich das? Vielleicht beim nächsten Mal. Jetzt erstmal in die Stadt! Vor dem Rathaus gibt’s Würstchenbuden und Kaffeestände. Die Fußgängerzone sieht zunächst einmal aus wie jede andere kontientaleuropäische Fußgängerzone auch, mit viel Backstein. Die Nebenstraßen mit Kopfsteinpflaster erinnern mich ein wenig an Lübeck, da gibt’s auch jede Menge Backsteingotik. Ich gehe immer geradeaus und lande am Nyhavn – das alte Hafenbecken mit den Museumsschiffen und der der bunten Häuserzeile ist nach der kleinen Meerjungfrau eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. Ganz nett anzuschauen, aber in ein paar Minuten gelangt man an dem Stichkanal vorbei zu einem breiteren Wasserlauf. Ich biege nach links ab, am modernen, schicken Theater vorbei auf eine Uferpromenade. Da liegen mehrere Schiffe, offenbar Forschungsschiffe – die man besuchen kann: es ist wohl eine Art „Tag der offenen Tür‟. An Bord gibt es sogar ein Programm mit Filmen und Vorträgen.
Ich gehe weiter, an einer alten Festungsanlage vorbei – und finde die wirklich winzig kleine Meerjungfrau dann fast zufällig: Wären da all die Leute, dann, hätte man sie glatt übersehen können.
Gut. Damit hätte ich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgehakt. Wie viel Zeit bleibt mir noch?
Reicht es für eine Besichtigung Freistadt Christiania?
Noch gut eineinhalb Stunden. Passt!
Rasch gehe ich durch den Park an den Wallanlagen zurück, über Brücken ins Stadtviertel Christianshavn. Die Gegend gefällt mir: Seitenstraßen mit Kopfsteinpflaster, gemütlichere, nicht ganz so schicke Cafés und die Vor Frelsers Kirke mit dem charakteristischen korkenzieherförmigem Turm. Ein Weg führt in eine Art Park zwischen alten Industriebauten hindurch und das ist sie also: die berühmte Anarcho-Komune auf einem ehemaligen Kasernengelände. Der bunte Charme von instantbesetzter Industrie-Architektur, dazwischen parkartiges Gelände und Trödelmarktatmosphäre. An den Ständen gibt es alternativen Modeschmuck und biologisch-organisches Essen und Getränke. Im „Green Light District‟ wird auch Canabis verkauft. Hier besteht strenges Fotografierverbot, welches von einem internen Sicherheitsdienst überwacht wird. Die stabil gebauten jungen Männer stehen neben brennenden Öl-Tonnen.
Ich esse eine leckere Falafel, trinke einen Kaffee aus einem Bierglas und setze mich für ein paar Minuten in die Sonne, die gerade herausgekommen ist.
So, jetzt aber hurtig zurück, in einer Dreiviertelstunde geht mein Zug!
Rasch über die Brücke in die Innenstadt, da kommt ein Bus, und kurz nach dem ich eingestiegen bin beginnt es heftig an zu regnen.
Der Bus hält an der Rückseite des Bahnhofs, ich gehe die Treppe hinunter und wieder hoch, hole mein Gepäck und sprinte zum Zug, der im hintersten Winkel des Bahnhofs bereit steht.
Die schwedische Schaffnerin begrüßt mich mit einem fröhlichen „Hej!‟.

Mit dem Zug auf die Fähre

Der winzigkurze Spielzeugzug dieselt los, von Hamburg über Lübeck und dann an der Ostseeküste entlang. Die Gegend ist aufgeräumt und unaufgeregt. Grau der Himmel, grün das Land. Dann der Fehmarnsund: Wasser links, Wasser rechts, Damm, Brücke, Straße nebenan, eine Küste nicht ganz so langweilig wie die Wattenmeer-Nordseeküste. Fehmarn wieder ist vor allem flach. Der Bahnhof Puttgarden eine große verlassene Gleisfläche mit Schienen, zwischen denen Gras und Sträucher wachsen. Nur zwei Bahnsteige sind noch in Betrieb, nach kurzem Halt geht es dann ganz langsam auf die Fähre.
An Bord steht der Zug zwischen Lastwagen und Bussen. Man steigt aus und geht nach oben. Die Fähre ist kleiner und gemütlicher als die England-Fähren, es gibt nur ein geschlossenes Deck mit Restaurants und dem obligatorischen Schnapsladen – fast normale deutsche Preise – und auf der Etage darüber einige offene Decks.
Es ist ungewöhnlich, Deutschland auf dem Seeweg zu verlassen.
Die Überfahrt dauert eine knappe Stunde.
Windrad-Parks im Meer. Reger Fährverkehr. Ankunft in Rodby, wieder in den Zug, der rollt ganz langsam an Land und aus dem Fährgelände in einen richtigen Bahnhof der auch einmal viel größer war, dann geht es weiter über flaches, grünes Land. Die Küstenlinie sieht anders aus als in Holland oder Belgien, vielleicht etwas, abwechslunsreicher, es gibt Wald und kein Wattenmeer.
Nyköping, der erste größere Ort könnte auch in Belgien sein.
Es geht auf die Hauptstrecke – die ist elektrifiziert – und um viertel nach zwölf bin ich in Kopenhagen.