Septemberreise 2017 nach Italien (Trentino, Apulien) und Albanien

Die Rahmenbedingungen:

Zwei Wochen Urlaub. Der Wunsch nach einer ausgewogenen Mischung aus Erholung und Abenteuer. Dabei wollen wir auf dem Boden bleiben – also kein Flugzeug besteigen. Nach Möglichkeit wollen wir alle Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen und pro Tag nicht mehr als 6 Stunden unterwegs sein.
Wir wollen etwas Neues kennen lernen – ein neues Land oder zumindest eine neue unbekannte Region. Und wir wollen Sonne. Im September.

Die Route:

Praktische Tipps

Schiefe Türme und weitere Geheimnisse in Bologna

Wir gehen zu der Piazza mit den beiden Türmen zurück. Eindrucksvoll sind sie ja schon: aus dunklem Stein gemauert, mit nur ganz wenigen kleinen Fenstern, wie Trutzburgen. Der Höhere von den Beiden war seinerzeit – im Mittelalter, als er von einer reichen Kaufmannsfamilie gebaut wurde – eines der höchsten nicht-sakralen Gebäude des Landes (oder der Welt?). Früher einmal gab es über hundertfünfzig Stück davon in der Stadt, jetzt sind noch ein bis zwei Dutzend übrig geblieben, sie verstecken sich hinter den kolonadengesäumten Einkaufsstraßen in der zweiten Reihe in stillen Seitenstraßen.
An der Strada Maggiore wartet das nächste Geheimnis.Zwischen Bogengängen, an einem mittelalterlichen Anwesen, beginnt ein schmaler Durchgang, der Corte Isolani. Hier sollen irgendwo sollen drei mittelalterliche Pfeile stecken – seinerzeit von Bösewichten verschossen, die sich von einer entblößten hübschen Frau haben ablenken lassen.
Der Durchgang ist schick restauriert, es gibt Boutiquen, Cafés und Restaurants, aber keine Pfeile. Einmal ganz durch – und wieder zurück. Ganz vorne stehen Leute und legen den Kopf in den Nacken.
Aha, dort oben in den Holzbalken unter dem Vorbau also? Vielleicht.
Aber wie war das denn nun genau? Hatten die Bösewichte es auf den reichen Ehemann der Schönen abgesehen? Oder hat der gehörnte Ehemann seine Holde in Flagranti mit ihrem Liebhaber entdeckt? Von der Geschichte gibt es mehrere Versionen, die man sich so hinbiegen kann, wie man mag.

Die gar nicht so geheimen Geheimnisse von Bologna

Der berühmte Neptunbrunnen ist unter einem riesigen Baugerüst-Komplex verschwunden. Wenn er gerade nicht eingerüstet ist, kann man Neptuns… äh… also, sein bestes Stück sehen, aber er ist ja eingerüstet, also noch ein Geheimnis abgehakt. Drumherum sind Einkaufsstraßen und da kaufen Leute ein, nichts Geheimes daran. Also mal einen Blick in die Touristen-Info geworfen. Alles professionell organisiert hier: Keine zwei Sekunden durch die Tür wird man von einer professionell lächelnden jungen Frau angesprochen und bekommt einen Stadtplan in die Hand gedrückt. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun? Ja, dieses berühmte Fenster… Ich habe den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da hat sie schon das Kreuzchen gemacht auf dem Stadtplan und den Weg nach Klein-Venedig eingezeichnet.
Klein-Venedig ist ein Fenster von der Größe einer mittelgroßen Pizza. Dahinter nach links und rechts der Blick auf die Rückseiten von Wohnhäusern, dazwischen ein Kanälchen. Der Vergleich mit der Lagunenstadt ist doch… nun ja, vielleicht ein bisschen ehrgeizig.

Jagd nach Geheimnissen in Bologna

Morgens ist der Himmel grau, es ist kühl und fast schon hebstlich-neblig, ich überquere den Platz vor der Porta Galliera und gehe am Springbrunnen vorbei die Freitreppen hinauf zum Parco della Montagnolla. Auf der anderen Seite des Parks beginnt der Markt.
Der Plan für heute: die sieben Geheimnisse dieser Stadt zu entdecken.
Diese Stadt hat nämlich Geheimnisse! Je nach Quelle können es allerdings auch zehn sein oder nur fünf, wobei sich hinter manchen Geheimnissen zum Teil auch allgemein bekannte Sehenswürdigkeiten und Touristenfallen verstecken. Aber „Jagd nach Geheimnissen‟ klingt nun einmal defnitiv besser als „Abhaken von Sehenswürdigkeiten‟. Also, los geht’s!
Zunächst die Bogengänge der Via dell‘ Indipendenza entlang stadteinwärts. Zwischen den Bogengängen versteckt sich der Eingang zu einer Kirche – das erste Geheimnis?
Der Innenstadtnahe Teil der Straße ist heute, am Wochenende für den Autoverkehr gesperrt und voller Menschen. Vor einer neu eröffneten Boutique stehen junge Frauen Schlange – was auch immer es da heute kostenlos gibt, soll mir ein Geheimnis bleiben.
Die Fassade der Basilika San Petronio ist seit vielen hundert Jahren unfertig geblieben und sieht daher von außen eher unspektakulär aus – drinnen hingegen findet sich nicht nur die geheimnisvolle in den Boden eingelassene „Mittagslinie‟ sondern auch jede Menge Kirchenpracht.
Ein paar hundert Meter weiter sind die berühmten zwei Türme. Der Kleinere davon ist fast so schief wie der schiefe Turm von Pisa. Der andere ist ziemlich hoch, und oben soll eine zerbrochene Vase herumliegen, was eines der offiziellen Geheimnis ist. Man kann hinaufklettern und nachschauen, aber die Tickets muss man in der Touristeninformation vorausbuchen.
Geschenkt. Auf zum nächsten Geheimnis.

Von Bari nach Bologna: noch ein bisschen Sommer

Im Bahnhofscafé von Bari noch ein Espresso im Stehen, dann los zum Gleis.
Der Zug ist pünktlich, bequem und klimatisiert. Stunde um Stunde geht es am Meer entlang: blauer Himmel, blaues Meer, Palmen, Strand und Hotelanlagen…
Der füllige Herr im Sitz gegenüber hat die Augen geschlossen und imposante Kopfhörer auf den Ohren. Manchmal schnarcht er, dann wieder scheint er aufmerksam seiner Musik zu lauschen und spielt mit den Händen Klavier. Der schmale junge Mann neben ihm – Marken T-Shirt, auffällige Sonnenbrille und gegeltes, schwarzes Haar – spielt auf seinem Handy. Hinter Pesaro wird es dämmerig, die Autos haben Licht an und am Himmel sind Wolken aufgezogen. Dann ist das Meer plötzlich weg. In Rimini steigt eine junge Mutter mit Kinderwagen aus, da ist es schon richtig Dunkel.
In Bologna findet sich zum Glück noch eine offene Pizzeria in Bahnhofsnähe. Essen und Bier sind nicht schlecht, aber zu teuer.
Draußen ist es kühl geworden.

Ein Abend in Rimini

Der Zug, der uns aus den Bergen hinausführt, hat Verspätung.
Beim Umsteigen in Bologna ist natürlich der Anschluss weg. Auf dem wuseligen Bahnhof ist es südländisch-sommerlich heiß. Eine Dreiviertelstunde bis zum nächsten Zug und eine weitere Dreiviertelstunde im klimatisierten Schnellzug.
Rimini ist ganz anders als das, was man sich darunter vorstellt. Ehrlich gesagt, habe ich mir gar nichts vorgestellt. Oder vielleicht doch? Die Urlauber, die vor fünfzig Jahren schon hier waren, kommen immer noch her, mit Rollator, Rollstuhl und Elektro-Scooter. In der Innenstadt gibt es einen zweitausend Jahre alten Torbogen, eine ebenso alte Brücke, über die heute noch Autos donnern und noch weitere Baudenkmäler aus dieser Zeit. Dazwischen Kirchen und Paläste – es ist eine sehr alte Stadt, was schon Wikipedia weiß, aber das Stadtbild ist ein bisschen uneinheitlich, unaufgeräumt und durcheinander. Auf der großen Piazza flanieren überwiegend Einheimische.
Am Flüsschen entlang gelangt man zum Meer.
Als die Sonne untergeht, ist es immer noch warm.