Septemberreise 2017 nach Italien (Trentino, Apulien) und Albanien

Die Rahmenbedingungen:

Zwei Wochen Urlaub. Der Wunsch nach einer ausgewogenen Mischung aus Erholung und Abenteuer. Dabei wollen wir auf dem Boden bleiben – also kein Flugzeug besteigen. Nach Möglichkeit wollen wir alle Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen und pro Tag nicht mehr als 6 Stunden unterwegs sein.
Wir wollen etwas Neues kennen lernen – ein neues Land oder zumindest eine neue unbekannte Region. Und wir wollen Sonne. Im September.

Die Route:

Praktische Tipps

London für Einsteiger: der Basis-Spaziergang

  • Der Piccadilly Circus ist der Mittelpunkt Londons und London ist bekanntlich der Mittelpunkt der Welt. Also beginnt der Spaziergang hier.
    DO:
    Auf die Stufen des Denkmals setzen und einfach mal schauen, was hier so los ist… und dabei einen Pappbecher-Kaffee aus einem der umliegenden Fast-Food Läden trinken
    DONT:
    Sich irgendwelche Sachen andrehen lassen, vor allem nicht irgendwelche angeblich vergünstigten Tickets für irgendwas oder in den Souvenirläden und -Ständen irgendwelchen überteuerten Souvenirkitsch kaufen
  • Vom Piccadilly Circus aus geht man über den Leicester Square – hier ist das Epizentrum des touristischen Nachtlebens mit mehreren Großkinos und diversen überteuerten Kneipen und Restaurants (Kinos, Theater, Kneipen, Discos…. aber: schweineteuer überteuert und voller Touristen) – zum Trafalgar Square. Da gibt’s fotografierende Touristen, Tauben und Architektur zu bestaunen.
    DO:
    Schauen, treiben lassen, Augen offen halten…
    Den Vierten Sockel am Trafalgar Square anschauen (googlen: „The Fourth Plinth‟)
    Den unscheinbaren Mini-Kreisverkehr Charing Cross (nicht Charing Cross Station!) hinter dem Trafalgar Square anschauen, da gibt’s nichts zu sehen, aber das ist der offizielle Mittelpunkt von London. Warum wohl?
    Ein Bier im zentralsten Pub Londons trinken (egal zu welcher Tageszeit)
    Die National Gallery (Kunstmuseum) ist kostenlos, sehenswert und riesig – einen kurzen Blick hineinzuwerfen (mal kurz bei Picasso und Van Gogh vorbeischauen…) lohnt sich.
    Die Kirche St. Martin in The Fields lohnt auch einen Besuch. Und dann gibt’s noch die National Portrait Gallery (kostenlos!)
    DONT:
    Irgendwas kaufen – vor allem keinen überteuerten Souvenirkitsch!
    Am Leicester Square oder in der Nähe essen gehen oder in den Tourie-Bars etwas trinken – einfach nur zu teuer!
  • Weiter geht’s: Vom Trafalgar Square durch den Admirality Arch in den St. James‘ Park
    Im Park die Mall („The Mall‟) entlang – die führt direkt auf den Buckingham Palace zu. Den kann man anschauen, muss man aber nicht.
    Besser: Auf der Höhe des St. James‘ Palace nach rechts abbiegen. Entlang der „Pall Mall‟ befinden sich die legendären Gentlemen’s Clubs (wie bei Phileas Fogg aus „In 80 Tagen durch die Welt‟).
    Durch das Viertel St. James zum St. James‘ Square und von dort zur Piccadilly Street und zum Piccadilly Circus zurück.
  • Der etwas erweiterte Basis-Spaziergang durch Zentral-London:
    Vom Trafalgar Square durch den Admirality Arch in den St. James‘ Park, dann nach links abbiegen,
    hier sehenswert:
    Horse Guards (Ja, die stehen da halt so herum)
    Kurzer Abstecher zur Downing Street No. 10 (Ist allerdings abgesperrt)
    Weiter zur Westminster Abbey, die kostet allerdings Eintritt. Sehr teuer! Die Teilnahme an Gottesdiensten ist allerdings kostenlos. Oft gibt es gegen ca. 17:00 Uhr oder so eine kurze und sehr schöne Abendandacht („Even Song‟), Nebenan liegen Westminster Palace (Parlament) und Big Ben.
  • Von dort über die Brücke – da die obligatorischen Photos und Selfie machen.
    Unmittelbar hinter der Brücke nach links abbiegen, am Ufer entlang, am Riesenrad vorbei – hier schöner Blick auf Big Ben & Co – bis zur Eisenbahnbrücke. Dort wieder auf die andere Flussseite wechseln, am Bahnhof Charing Cross vorbei zum Trafalgar Square zurück.
  • Erweiterter langer Spaziergang – lohnt sich, dauert aber ca. 1-2 Stunden
    Trafalgar Square, Charing Cross, Eisenbahnbrücke, von da aus flussabwärts. Da hat man einen schönen Blick auf die Stadt. Der Weg ist ganz nett, es gibt unterwegs Kneipen, Cafés, Straßenmusiker, alles Mögliche.
    Nach einer Weile gelangt man zum Tate Modern Museum (moderne Kunst, riesige Halle – kann man anschauen, muss man nicht gesehen haben). Dort führt die Millenium Bridge (Fußgängerbrücke) aufs andere Ufer direkt zur St. Paul’s Cathedral mitten im Bankenviertel. Kirche kostet wieder Eintritt, muss man von innen nicht gesehen haben.
    Dann wieder über die Millenium Bridge zurück zur Tate Modern und weiter flussabwärts durch das Viertel Southwark (zwischendurch mal enge Gässchen), zum Borough Market (leckere Fressstände – gute Verpflegungsoption, für Londoner Verhältnisse moderate Preise) und dann wieder am Ufer entlang zur Tower Bridge.
  • Weitere Sehenswürdigkeiten, die zentral liegen und keinen Eintritt kosten (mit Bus und/oder U-Bahn gut zu erreichen. Tipp: wenn möglich lieber den Bus nehmen):
    • Sloane House – eine Art Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert oder so mit Original-Inneneinrichtung, gehörte einem sehr verschrobenen Tüftler. Sehenswert!
      British Museum – Ägyptische Mumien, griechische Statuen und so altes Zeug. Riesengroß!
    • Anstatt Riesenrad: die Seilbahn über die Themse (bei der U-Bahn Station North Greenwich)
    • Camden Market – riesengroßer Flohmarkt (nicht nur Flohmarkt), da kann man locker ein paar Stunden verbringen.
    • Brick Lane: das Viertel der Einwanderer aus Bangladesch (Straßenschilder zweisprachig…. Lokale, Läden, Cafés, Märkte…) – mein absolutes Lieblingsviertel!

Bahnreisen in Italien: ein paar allgemeine Tipps

  • Anreise aus Deutschland: Einige (aber nicht alle) Verbindungen zwischen Deutschland und Italien lassen sich auf www.bahn.de online buchen. Je früher man bucht, desto größer die Chance auf einen günstigen Sparpreis. Die wichtigste Verbindung ist der Eurocity von München über den Brenner nach Bozen, Verona, Bologna und Venedig. Diese Züge können voll werden, wer kein Risiko eingehen will, sollte einen Platz reservieren. Es besteht allerdings keine Reservierungspflicht! Außerdem gibt es von München aus Nachtzüge nach Mailand, Florenz, Rom, und Venedig. Am Fahrkartenschalter können auch Tickets zu anderen Orten gebucht werden. Achtung: auch wenn keine ausdrückliche Zugbindung angegeben wurde, kann es in Italien Probleme geben, wenn man einen anderen als den gebuchten Zug nimmt.
  • In Italien: Inner-Italienische Fernverkehrsverbindungen können auf der Seite von Trenitalia als Onlineticket gebucht werden – die Seite gibt’s auch auf deutsch. Sie funktioniert aber nicht immer. Probleme gibt es dann, wenn bei einer Umsteigeverbindungen unterschiedliche Zugkategorien genutzt werden.
  • In Italien bekommt man Tickets am Schalter oder am Fahrkartenautomaten. Die Menüführung an den Automaten geht auch auf deutsch und englisch. Automaten nehmen nicht immer Bargeld. Aus dem Automaten gekaufte Tickets müssen vor Fahrtantritt an den gelben Stempelautomaten entwertet werden. Online-Tickets brauchen nicht entwertet zu werden, wenn darauf der genaue Reisetag und die Reisezeit angegeben sind.
  • Trenitalia hat Konkurrenz bekommen, z.B. die private Gesellschaft .Italo, die ebenfalls Fernverkehrszüge betreibt (mit eigenen Automaten und eigenen Fahrkartenschaltern)
  • Trenitalia betreibt verschiedene Zugkategorien. Die schnellsten Züge sind „Le Frecce“ (Singular: „Freccia“), „Die Pfeile“, vergleichbar mit den deutschen ICE’s. Sie sind schnell, zuverlässig – und nicht billig, wenn man keine Sonderangebote nutzt. Je früher man bucht, desto größer die Chance… Es wird unterschieden zwischen „roten“, „silbernen“ und „weißen“ „Pfeilen“, wobei die „roten“ die Schnellsten sind. An nächster Stelle stehen die „Intercitys“, ganz ähnlich wie deutsche IC’s, gefolgt von den langsamen Regionalzügen. Für „Frecce“ und IC’s besteht Reservierungspflicht. Die Besonderheit besteht darin, dass Tickets zwischen den Zugkategorien nicht austauschbar sind: also ein „Freccia“-Ticket gilt nicht im IC und auch nicht im Regionalzug (und logischerweise auch nicht umgekehrt). Für Regionalzüge gibt es keine Sparpreise, Tickets sind in der Regel nicht teurer, wenn man sie erst kurz vor Abfahrt kauft. Generell sind Regionalzüge deutlich günstiger als IC’s und diese wieder deutlich günstiger als „Frecce“, allerdings ist es möglich, dass ein „Freccia“-Sparpreis günstiger ist als ein Regionalzug-Normalpreisticket.
  • Zahlreiche Regionalverbindungen werden von privaten regionalen Gesellschaften (z.B. die Nonstalbahn oder die Ferrovie del Gargano) betrieben. Deren Fahrpläne findet man, wenn überhaupt, nur auf deren eigenen Webseiten. Tickets gibt es manchmal an eigenen Automaten oder Fahrkartenschaltern, manchmal auch nur am Kiosk, im Tabakladen oder im Café
  • Hier noch ein paar interessante Links:

Von Bologna über die Alpen zurück: der Heimweg

Morgens ist der Himmel blau und es ist wieder südländisch-sommerlich warm.
Ich gehe noch einmal durch die Stadt, trinke einen Espresso unter den Kolonaden an der Via dell‘ Indipendenza, dann langsam bis zur Piazza Maggiore, zu den zwei Türmen und zur Piazza Santo Stefano, mache Photos im herrlichen Morgenlicht.
Dann zum Hotel zurück, auschecken und mit Gepäck zum Bahnhof.
Die Bahnhofsuhr ist um zehn Uhr fünfundzwanzig stehen geblieben: die Minute des Attentates von 1980. Damals starben 85 Menschen, als im Wartesaal eine in einem Gepäckstück versteckte Zeitbombe explodierte. Der Wartesaal ist längst wieder in Betrieb, am Explosionsort ist eine Gedenktafel angebracht und in der Wand klafft immer noch der damals entstandene Riss – jetzt architektonisch als Fenster gestaltet.
Der Eurocity nach München wird bereitgestellt und ist brechend voll. In Deutschland ist Sauwetter, sagt der Schaffner, in den Bergen ist es empfindlich kalt und ganz oben soll es sogar geschneit haben.
Hier unten aber strahlt die Sonne, auch noch in Verona und Trient; erst in Bozen kommen Wolken auf.
Am Brenner haben wir eine Viertelstunde Aufenthalt: Zeit, um auszusteigen und in der Bahnhofsgaststätte einen Espresso zu trinken. Der Mann neben mir trinkt Bier und flirtet auf tirolerisch mit der jungen Frau hinter dem Tresen.
Hinter Innsbruck regnet es, über Kufstein strahlt ein Regenbogen und bei Rosenheim wird es dunkel.
Umsteigen in München…. nochmal umsteigen…. ankommen.
Wieder zu Hause.

Schiefe Türme und weitere Geheimnisse in Bologna

Wir gehen zu der Piazza mit den beiden Türmen zurück. Eindrucksvoll sind sie ja schon: aus dunklem Stein gemauert, mit nur ganz wenigen kleinen Fenstern, wie Trutzburgen. Der Höhere von den Beiden war seinerzeit – im Mittelalter, als er von einer reichen Kaufmannsfamilie gebaut wurde – eines der höchsten nicht-sakralen Gebäude des Landes (oder der Welt?). Früher einmal gab es über hundertfünfzig Stück davon in der Stadt, jetzt sind noch ein bis zwei Dutzend übrig geblieben, sie verstecken sich hinter den kolonadengesäumten Einkaufsstraßen in der zweiten Reihe in stillen Seitenstraßen.
An der Strada Maggiore wartet das nächste Geheimnis.Zwischen Bogengängen, an einem mittelalterlichen Anwesen, beginnt ein schmaler Durchgang, der Corte Isolani. Hier sollen irgendwo sollen drei mittelalterliche Pfeile stecken – seinerzeit von Bösewichten verschossen, die sich von einer entblößten hübschen Frau haben ablenken lassen.
Der Durchgang ist schick restauriert, es gibt Boutiquen, Cafés und Restaurants, aber keine Pfeile. Einmal ganz durch – und wieder zurück. Ganz vorne stehen Leute und legen den Kopf in den Nacken.
Aha, dort oben in den Holzbalken unter dem Vorbau also? Vielleicht.
Aber wie war das denn nun genau? Hatten die Bösewichte es auf den reichen Ehemann der Schönen abgesehen? Oder hat der gehörnte Ehemann seine Holde in Flagranti mit ihrem Liebhaber entdeckt? Von der Geschichte gibt es mehrere Versionen, die man sich so hinbiegen kann, wie man mag.

Die gar nicht so geheimen Geheimnisse von Bologna

Der berühmte Neptunbrunnen ist unter einem riesigen Baugerüst-Komplex verschwunden. Wenn er gerade nicht eingerüstet ist, kann man Neptuns… äh… also, sein bestes Stück sehen, aber er ist ja eingerüstet, also noch ein Geheimnis abgehakt. Drumherum sind Einkaufsstraßen und da kaufen Leute ein, nichts Geheimes daran. Also mal einen Blick in die Touristen-Info geworfen. Alles professionell organisiert hier: Keine zwei Sekunden durch die Tür wird man von einer professionell lächelnden jungen Frau angesprochen und bekommt einen Stadtplan in die Hand gedrückt. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun? Ja, dieses berühmte Fenster… Ich habe den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da hat sie schon das Kreuzchen gemacht auf dem Stadtplan und den Weg nach Klein-Venedig eingezeichnet.
Klein-Venedig ist ein Fenster von der Größe einer mittelgroßen Pizza. Dahinter nach links und rechts der Blick auf die Rückseiten von Wohnhäusern, dazwischen ein Kanälchen. Der Vergleich mit der Lagunenstadt ist doch… nun ja, vielleicht ein bisschen ehrgeizig.

Jagd nach Geheimnissen in Bologna

Morgens ist der Himmel grau, es ist kühl und fast schon hebstlich-neblig, ich überquere den Platz vor der Porta Galliera und gehe am Springbrunnen vorbei die Freitreppen hinauf zum Parco della Montagnolla. Auf der anderen Seite des Parks beginnt der Markt.
Der Plan für heute: die sieben Geheimnisse dieser Stadt zu entdecken.
Diese Stadt hat nämlich Geheimnisse! Je nach Quelle können es allerdings auch zehn sein oder nur fünf, wobei sich hinter manchen Geheimnissen zum Teil auch allgemein bekannte Sehenswürdigkeiten und Touristenfallen verstecken. Aber „Jagd nach Geheimnissen‟ klingt nun einmal defnitiv besser als „Abhaken von Sehenswürdigkeiten‟. Also, los geht’s!
Zunächst die Bogengänge der Via dell‘ Indipendenza entlang stadteinwärts. Zwischen den Bogengängen versteckt sich der Eingang zu einer Kirche – das erste Geheimnis?
Der Innenstadtnahe Teil der Straße ist heute, am Wochenende für den Autoverkehr gesperrt und voller Menschen. Vor einer neu eröffneten Boutique stehen junge Frauen Schlange – was auch immer es da heute kostenlos gibt, soll mir ein Geheimnis bleiben.
Die Fassade der Basilika San Petronio ist seit vielen hundert Jahren unfertig geblieben und sieht daher von außen eher unspektakulär aus – drinnen hingegen findet sich nicht nur die geheimnisvolle in den Boden eingelassene „Mittagslinie‟ sondern auch jede Menge Kirchenpracht.
Ein paar hundert Meter weiter sind die berühmten zwei Türme. Der Kleinere davon ist fast so schief wie der schiefe Turm von Pisa. Der andere ist ziemlich hoch, und oben soll eine zerbrochene Vase herumliegen, was eines der offiziellen Geheimnis ist. Man kann hinaufklettern und nachschauen, aber die Tickets muss man in der Touristeninformation vorausbuchen.
Geschenkt. Auf zum nächsten Geheimnis.

Von Bari nach Bologna: noch ein bisschen Sommer

Im Bahnhofscafé von Bari noch ein Espresso im Stehen, dann los zum Gleis.
Der Zug ist pünktlich, bequem und klimatisiert. Stunde um Stunde geht es am Meer entlang: blauer Himmel, blaues Meer, Palmen, Strand und Hotelanlagen…
Der füllige Herr im Sitz gegenüber hat die Augen geschlossen und imposante Kopfhörer auf den Ohren. Manchmal schnarcht er, dann wieder scheint er aufmerksam seiner Musik zu lauschen und spielt mit den Händen Klavier. Der schmale junge Mann neben ihm – Marken T-Shirt, auffällige Sonnenbrille und gegeltes, schwarzes Haar – spielt auf seinem Handy. Hinter Pesaro wird es dämmerig, die Autos haben Licht an und am Himmel sind Wolken aufgezogen. Dann ist das Meer plötzlich weg. In Rimini steigt eine junge Mutter mit Kinderwagen aus, da ist es schon richtig Dunkel.
In Bologna findet sich zum Glück noch eine offene Pizzeria in Bahnhofsnähe. Essen und Bier sind nicht schlecht, aber zu teuer.
Draußen ist es kühl geworden.

Hafen von Durres (Albanien)

(Stand: September 2017)
Wir kommen gegen 08:00 Uhr morgens pünktlich mit der Fähre aus Bari in Durres an.
Man geht durch den Fahrzeug-Bereich zu Fuß durch die Ladeklappe an Land und geht ein paar Meter zum Terminal-Gebäude. Dort durch die albanische Einreise-und Zollkontrolle. Für EU-Bürger reicht der Personalausweis. Die Kontrollen gehen zügig und problemlos.
Nachdem man die Kontrollen durchlaufen hat, gelangt man in eine einfache, saubere Ankunftshalle. Linker Hand befinden sich die Schalter der verschiedenen Fährgesellschaften, rechter Hand ein Café. Vorsicht: es gibt keine Bankfiliale, keinen Geldautomaten, keine Möglichkeit, Geld zu wechseln (Im Café kann man aber auch in Euro bezahlen). Man wird auch nicht von privaten Geldwechslern angesprochen.
Vor dem Gebäude warten zahlreiche Taxis, als Tourist wird man direkt angesprochen, für eine Fahrt ins Stadtzentrum verlangt der Taxifahrer 10 EUR.
Es gibt auch eine Fußgängerbrücke, die vor dem Terminalgebäude beginnt und direkt am Rande der Innenstadt in der Nähe des Busbahnhofs endet.
Die Rückreise beginnt im selben Gebäude, in der selben Halle: Man muss sein Ticket zunächst beim Schalter der Fährgesellschaft und anschließend an einem Check-In-Automaten bestätigen, bevor man durch die Kontrollen darf. Nach Durchlaufen der Kontrollen geht man dann zu Fuß aufs Schiff.

Fähre von Bari (Italien) nach Durres (Albanien)

Aktuell (September 2017) gibt es (mindestens) zwei Fährgesellschaften, welche die Strecke bedienen.
Sowohl Fahrzeiten als auch Preise sind weitgehend identisch. Die Buchung gelingt problemlos online durch eines der großen Buchungsportale.
Abfahrt von Bari ist um 23:00 Uhr, man muss zwei Stunden vorher im Hafen sein, heißt es im Ticket-Ausdruck. Der Check-In-Bereich (Eine Reihe von Abfertigungsschaltern der verschiedenen Fährgesellschaften im Freien, überdacht) befindet sich ca. ein bis zwei Kilometer westlich vom Liegeplatz des Schiffes entfernt.
Der Taxifahrer vom Bahnhof verlangt zunächst einen Fixpreis von 12 EUR, der aber angeblich „nur“ zum Hafeneingang gilt und schlägt dann noch einem 3 EUR für die Strecke bis zum Check-In drauf.
Vom Check-In gelangt man dann mit einem Gratis-Shuttle-Bus zum Liegeplatz des Schiffes, dort geht man durch die Zollkontrolle und dann zu Fuß auf das Schiff.
Hinfahrt mit „Rigel 3“ von Ventouris Ferries: Man geht zu Fuß durch die Klappe in den Fahrzeug-Bereich, von dort führt eine Rolltreppe nach oben zu einer schicken „Rezeption“, dort werden die Kabinen zugewiesen.
Kabine war okay: zwei Betten übereinander, ein Sessel, kleine Nasszelle. Auf dem Schiff gibt es ein Selbstbedienungs-Restaurant, mehrere Bars, sogar eine „Disco“. Das Schiff war offenbar früher einmal auf der Ostsee in Skandinavien unterwegs.
Ankunft in Durres pünktlich gegen 08:00 Uhr (Siehe: Hafen Durres)
Rückfahrt mit „Rigel 1“, ebenfalls von Ventouris Ferries: Das Schiff ist älter, war wohl früher einmal zu Sowjet-Zeiten vom damaligen Leningrad aus auf der Ostsee unterwegs (in einem Treppenhaus hängt eine Collage mit Abbildungen aus Leningrad!), aber ordentlich. Es gibt nur eine Bar und ein Seif-Service-Restaurant.

Ein Morgen in Bari

Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne wärmt schon am frühen Morgen.
In einem Straßencafé ein Cappuccino und ein zuckeriges Croissant, mit Pistaziencreme gefüllt.
Dann durch die Innenstadt: über den schattigen Corso Cavour und breiten palmengesäumten Corso Vittorio Emanuele, dann einen Blick in die Kathedrale geworfen (die tatsächlich „Kathedrale‟ heißt und nicht „Dom‟) und weiter zur normannischen Festung. Da ist es Zeit für den nächsten Cappuccino.
Das deutsche Paar am Nebentisch gibt den bettelnden Kindern ihre leeren Fanta-Dosen, welche gleich wütend auf die Straße geworfen werden. Hier gibt es kein Dosenpfand. In den verwinkelten Altstadtgassen stellen Frauen Orecchiette her und trocknen sie in hölzernen Rahmen. Auf der Piazza Umberto vor der Universität laden Bücher-Kioske zum Stöbern ein.

Von Durres nach Bari: über das Meer zurück

Am frühen Abend geht’s wieder zum Hafen. Noch ein schnelles Bier vor dem Check-In, dann durch die üblichen Kontrollen und auf den Dampfer. Noch ein zweites Bier und ein paar Spaghetti an Bord, dann ein paar Stunden Schlaf. In aller Frühe wird vehement gegen die Kabinentür geklopft, obwohl sich der Dampfer immer noch auf hoher See befindet, mindestens eine Stunde vom Ufer entfernt.
Wenn wir dann endlich an Land sind, brennt die Sonne schon heiß auf die Mauern der großen Hafenstadt. Es bleibt noch Zeit um über weite Boulevards und durch enge Altstadtgassen zu schlendern und die Festung und die Kathedrale zu besuchen.

Eisenbahn in Albanien

Die gute Nachricht ist: sie funktioniert.
Die schlechte Nachricht: wohl nur ein bisschen…
Ende 2016 soll der Schienenverkehr im ganzen Land zeitweise komplett stillgestanden haben.
Stand September 2017, Momentaufnahme an einem Dienstagmorgen:
Im Bahnhof von Durres steht ein Zug, zwei ehemals deutsche Nahverkehrswagons, Graffitiverziert, eingeschlagene Fensterscheiben, das Innere ziemlich ramponiert. Davor eine schwere Diesellokomotive.
Dieser Zug wird in ein oder zwei Stunden irgendwohin fahren, es sind Leute eingestiegen!
Auf dem Nebenbahnsteig stehen nochmals drei Wagons in ähnlich ramponiertem Zustand, den man in Deutschland wohl als „schrottreif“ bezeichnen würde. Diese Wagons werden gerade gereinigt.
Vor dem Bahnhofsgebäude steht eine Anzeigetafel. Der Fahrplan für das ganze Land passt auf eine einzige Seite: Zweimal am Tag geht’s nach Kashar (ca. 10 KM außerhalb von Tirana, Endstation der Linie, die ehemals nach Tirana führte), und jeweils einmal am Tag nach Shkoder und Elbasan.
Der Kopfbahnhof Durres befindet sich nach wie vor in zentraler Lage direkt neben dem Busbahnhof, nicht weit von Hafen und Innenstadt. Es gibt eine saubere Bahnhofshalle mit Café und zwei Fahrkartenschaltern. Darüber sind die Preise für Fahrkarten angeschlagen: Alle Tickets sind unschlagbar billig.
Draußen ist ein Mittelbahnsteig mit je einem Gleis links und rechts.

Hier der Fahrplan, Stand September 2017 (abgeschrieben von der Anzeigetafel vor dem Bahnhofsgebäude):

    Durres nach Kashar (Ticket: 70 Lek):

    • Abfahrt Durres 07:10 – Ankunft Kashar 07:52
    • Abfahrt Durres 14:30 – Ankunft Kashar 15:13
    Kashar – Durres

    • Abfahrt Kashar 07:00 – Ankunft Durres 07:43
    • Abfahrt Kashar 08:30 – Ankunft Durres 09:13
    Durres nach Shkoder (Ticket: 160 Lek):

    • Abfahrt Durres 13:00 Uhr – Ankunft Shkoder 16:45
    Shkoder – Durres

    • Abfahrt Shkoder – 05:45 – Ankunft Durres 09:35
    Durres – Elbasan (Ticket 145 Lek):

    • Abfahrt Durres 14:45 – Ankunft Elbasan 17:31 (??? unleserlich!)
  • Abfahrt Elbasan 06:10 – Ankunft Durres 09:10 (??? unleserlich!)

P.S.: Leider hatte ich keine Gelegenheit, mit der Bahn zu fahren.

Kruja: Die Burg in den Bergen

Der Weg führt zunächst durch die staubige Küstenebene und dann durch duftende Pinienwälder in Serpentinen steil bergauf. Touristenbusse quälen sich durch die Gässchen des Ortes zum Parkplatz. Auf dem Weg zur Burg reiht sich ein Souvenirstand an den Anderen. Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man fotografieren will.
Am Burgtor verkauft ein älterer Herr Bücher über die Geschichte des Ortes – die hat er selbst geschrieben und natürlich gibt er auch gerne eine persönliche Widmung.
Auf dem Gelände der Burg steht ein modernes Museum, welches dem Nationalhelden gewidmet ist. Von einer Terrasse hat man einen weiten Blick über die Küstenebene bis zum Meer.
Oberhalb des Museums ist ein alter Turm, daneben ein lauschiges Restaurant. Geheimnisvoll ist der unterste Teil des ummauerten Areals, hier sind enge Gässchen – die zugehörigen Gebäude längst verfallen, und im hintersten Winkel ist ein winziges Gärtchen, mit einem uralten Olivenbaum darin und einem versteckten Heiligtum darin.

Tirana: Erkundungen und Entdeckungen im Fremden Land

Natürlich gibt es in diesem fremden, fremden Land eine Menge zu sehen und zu erleben.
Die große Stadt ist weder schwermütig grau noch hinterwäldlerisch zurückgeblieben, es ist eine quicklebendige, bunte Großstadt, die alles hat, was eine Großstadt so braucht: Cafés, Geschichte, Kultur und das ist noch lange nicht alles… es gibt noch viel mehr zu entdecken, und heute geht es in die Berge.

Tirana: die große Stadt im fremden, fremden Land

Wie funktioniert das Reisen in diesem Land?
Gibt es so etwas wie Busse? Wo fahren die hin, wie oft und wie langsam? Gibt es überhaupt lohnenswerte Ziele in diesem Land, die zu besuchen sich lohnen würde?
Am Rande der Innenstadt, kurz vor dem Hafen finden wir den Busbahnhof und dort einen abfahrbereiten Reisebus. Auf den Seiten steht noch der Name eines deutschen Reiseunternehmers und vorn, wo normalerweise das Fahrtziel angeschlagen ist auf deutsch das Wort „Einsatzwagen“. In der Windschutzscheibe vor dem Lenkrad dann noch ein kleines Pappschild, darauf der Name der Großen Stadt. Ein junger Mann knöpft uns ein paar lappige Geldscheine ab, und dann geht es los… über eine gut ausgebaute vierspurige Straße durch unspektakuläre Landschaft.
Am Rande der Großen Stadt ist Endstation. Autos, Busse und Lastwagen hupen sich rund um einen Kreisverkehr. Ein Stadtbus – drinnen noch der Linienplan einer französischen Provinzstadt – bringt uns ins Zentrum.

Durres, Albanien: erste Schritte im fremden, fremden Land…

Der Dampfer legt an.
Zwischen Bussen und LKW’s aus der Ladeluke an Land krabbeln mit Koffer im Schlepptau. Kontrolle hier, Kontrolle dort, Espresso im Stehen und Taxi in die Stadt.
Aus dem Autofenster Blick auf Inschriften in einer unbekannten Sprache. Menschen sitzen in Cafés, machen sich auf den Weg zur Arbeit, flanieren und kaufen ein.
Immer noch kein fremdes Geld in der Tasche. Der Automat an der Bank spuckt unhandlich große Scheine aus, die kleinzukriegen gar nicht so einfach ist und peinliche Situationen mit sich bringt.
Der Espresso ist so gut wie auf der anderen Seite des Meeres, die Sonne strahlt, die Stadt ist wuselig und Manches ist hier anders…

Morgengrauen in Albanien: zu neuen Ufern

Im leichten Nieselregen zur Bushaltestelle. Später dann Pladderregen über dem Meer. Immer noch Pladderregen beim Umsteigen in den Bummelzug. Der nächste Bummelzug fährt uns buchstäblich vor der Nase weg. Zeit für einen Cappuccino im Bahnhofscafé. Der Regen ist schon fast weg.
Im Laufe der weiteren Fahrt klart es auf und in der großen Stadt scheint schon die Sonne. Palmen und blauer Himmel an der Hafenpromenade. Mächtige Mauern, eindrucksvolle Kirchen, verwinkelte Altstadtgassen.
Pasta im Straßencafé, da ziehen wieder Wolken auf. Beim Eis auf dem Flanierboulevard tröpfelt es. Am Bahnhof schüttet es aus Eimern. Auch noch während der Taxifahrt zum Hafen.
Check In, Kontrolle hier, Kontrolle dort, dann endlich auf den Dampfer. Die Kabine ist eng und ein bisschen müffelig und nachts schaukelt der Kahn ganz ordentlich.
Im Morgengrauen ist Land in Sicht.

Weiter geht’s: vom Gargano nach Bari…

Ein Morgen dämmert herauf. Das Gewitter ist vorbei, der Sturm hat sich verzogen, aber der Himmel ist bedeckt und es regnet immer noch leicht. Die weiße Stadt wird langsam wach.
Im Hotel noch ein Cappuccino, dazu ein überzuckertes Croissant und dann geht es los. Eine lange Reise liegt vor uns.
An der Bushaltestelle nieselt es nur ganz leicht, aber schon während der kurzen Fahrt über den bewaldeten Hügelrücken hinüber in die Nachbarbucht von Calenella wird der Regen wieder heftiger. Calenella ist die Endstation der Gargano-Bahnlinie, aber heute fahren hier keine Züge.
Ein Ersatzbus steht abfahrbereit da und der Regen pladdert inzwischen so heftig, dass mir die paar Meter zum Bahnhofscafé zu weit sind und ich lieber die halbe Stunde im Bus sitzen bleibe. Dann geht es los: An der Küste entlang bis Rodi, dann landeinwärts, hin und wieder Blick auf die Lagune von Varano, zwischendurch Halt an winzigen Bahnhöfen im Nirgendwo – der Bus muss sich über kleine Stichstraßen dorthin quälen und mysteriöserweise steigen tatsächlich Leute ein und aus.
In Varano endlich kann man in den Zug umsteigen. Über Apricena und San Severo geht es nach Foggia. Der Anschlusszug fährt uns buchstäblich vor der Nase weg, also Zeit für einen Cappuccino im blitzsauberen und belebten Bahnhofscafé.
Dann im Bummelzug nach Bari: die Strecke führt weitgehend durch das Landesinnere, nur ab und zu blinkt das Meer durch. In Bari scheint wieder die Sonne: Vor dem Bahnhof ein Kreisverkehr mit eindrucksvollem Springbrunnen, eine Touristeninformation, die aber wg. Mittagspause-Siesta gerade geschlossen ist, eine Fußgängerzone führt in die Innenstadt.