Sommerreise 2014: über Nebenstraßen durch Frankreich und Spanien bis Gibraltar

August 2014: Durch Frankreich und Spanien bis nach Gibraltar:

  • Es ist Sommer, in Deutschland regnet es und ich will in die Sonne. Einfach so lange weiter nach Süden fahren, bis endlich die Sonne scheint…. nach fast drei Wochen über Nebenstraßen durch die französische und spanische Provinz war ich schließlich in Gibraltar.

Die Route:

  • Tag 1: Von der Eifel über Vianden in Luxemburg durch Lothringen bis Auxerrre
  • Tag 2: Von Auxerre nach Nevers
  • Tag 3: Von Nevers nach Montauban
  • Tag 4: Von Montauban nach Albi
  • Tag 5: Von Albi über Carcassonne in die Pyrenäen
  • Tag 6: Durch die Pyrenäen, Montsegur
  • Tag 7: Über die Pyrenäen nach Balaguer in Katalonien
  • Tag 8: Von Balaguer durch Katalonien und Aragon
  • Tag 9 La Mancha und Andalusien, ein Abend in Granada (ohne Alhambra)
  • Tag 10: Granada bis Lanjaron
  • Tag 11: Von Lanjaron an die Costa del Sol und wieder in die Berge, nach Ronda
  • Tag 11: Von Ronda nach La Linea und Gibraltar
  • Tag 12: Gibraltar und Tarifa, die Hacienda in den Bergen
  • Tag 13: Ruhetag auf der Hacienda in den Bergen
  • Tag 14: Gaucin, nochmal Ronda und die Sierra de la Nieve
  • Tag 15: Langer Weg nach Norden, an Sevilla vorbei über Merida nach Caceres
  • Tag 16: Frühstück in Caceres, Autopanne vor Salamanca
  • Tag 17: Salamanca und Burgos
  • Tag 18: über Pamplona, Irun und Hendaye nach Dax (Frankreich)
  • Tag 19: französische Atlantikküste, Landes, Düne von Pilat
  • Tag 20: Von Bordeaux nach Dijon
  • Tag 21: Von Dijon über Mulhouse und Freiburg nach Hause

Tarifa, Sehnsuchtsort am südlichsten Punkt Europas

Tarifa, das ist endlos weiter, weißer Sandstrand, blaues Meer und Wind, viel Wind trotz hochsommerlich-heißer Temperaturen. Nur Schatten gibt’s nicht, den muss man sich selbst mitbringen.
Ein Damm führt zu der kleinen vorgelagerten Insel, die aber Off Limits ist.
Links vom Damm ist das Mittelmeer und rechts der Atlantik. Und im Süden, zum Greifen nah liegt Afrika. Zwei Französinnen fotografieren einander hier am südlichsten Punkt des europäischen Festlands.
Gerade kommt eine Fähre aus Marokko im Hafen an, Autos fahren von Bord, freikirchlich-christliche Aktivisten verteilen Bibeln an muslimisch aussehende Reisende. Auf einer Mauer steht in Riesenbuchstaben, dass man bitte nicht auf den Strand scheißen soll.
Es gibt eine Altstadt mit Cafés und Restaurants, die Läden sind geschlossen wegen Mittags-Siesta. In einer Imbissbude ordere ich eine eineinhalb-Liter-Flasche Mineralwasser und dann noch eine Flasche Orangensaft und schütte Beides in mich hinein. Dann schlendere ich weiter durch die weißen Gässchen, entdecke einen wunderschönen stillen Platz mit einem verwunschenen kleinen Park und gehe dann zum Strand zurück springe ins Wasser und lasse mich vom Wind trocknen.

Briefmarken und Bier in Gibraltar

In einer Seitenstraße kaufe ich ein paar Postkarten. Die Inhaberin des Ladens spricht ein richtig britisches Englisch mit dem Nordenglischen Akzent, den ich von Armeeangehörigen her kenne.
Ich frage, ob man mit „normalen“ englischen Pfund bezahlen kann. Sie schaut mich mit großen Augen an: Natürlich, wir nehmen alles, wo die Queen drauf ist, my dear!
Ich lasse mir das Wechselgeld absichtlich Gibraltar-Münzen rausgeben, nachdem sie mir zuvor absichtlich britische Münzen gegeben hat, „damit ich zu Hause keine Probleme bekomme‟. Das Portrait der Queen auf den Briefmarken wirkt altmodisch – es ist das Bild, welches in Großbritannien selbst in den Fünfzigern und Sechzigern des letzten Jahrhunderts verwendet wurde. In einem Pub an der Hauptstraße feiern sturzbesoffene Jungs in Frauenkleidern einen Junggesellenabschied. Ich trinke ein halbes Pint Langer-Shandy („Alsterwasser‟ bzw. „Radler‟) und dann – bei mediterraner Sommerhitze schon leicht angetüdelt – in einem anderen Pub um die Ecke noch ein zweites Glas. Die Kneipe riecht ur-englisch muffig nach abgestandenem Bier und im Radio läuft BFBS, britische Armee-Sender mit Wetterbericht von den Falklands bis Afghanistan.

Gibraltar: Affen füttern verboten

Die ersten Affen entdecke ich an einer Straßenecke auf dem Weg zum Upper Rock. Sie sitzen auf einem Gartenzaun und knabbern an einem Stück Baguette. Wo sie das wohl her haben? Es ist streng verboten, sie zu füttern, habe ich gerade gelesen. Zwei Französinnen fotografieren begeistert. Kurz dahinter beginnt das Naturschutzgebiet. Ich muss Eintritt zahlen und klettere in der glühenden Nachmittagshitze die vierhundert Höhenmeter hinauf bis zum Gipfel. Affen treffe ich nicht. Erst oben an der Bergstation der Seilbahn finde ich wieder welche. Die Viecher sind ja nicht blöd, die wissen genau, wo sie etwas abstauben können!
Auf dem Rückweg besuche ich dann die „Affenhöhle‟. Keine Höhle, sondern eher ein offenes Freigehege mit Wasserstelle und allem, was man so braucht als Affe auf diesem Felsen.

Gibraltar: Flieger von links

Du bist in Spanien, und zwar ganz unten. Die Sonne knallt gnadenlos vom strahlendblauen Himmel.
Dann kommst Du zu einem Grenzhäuschen, zeigst Deinen Pass, gehst durch und das Erste, was Du siehst ist eine rote, englische Telefonzelle.
Dann musst Du die Flughafen-Rollbahn überqueren. Nein, kein Witz: die einzige Straße von der Grenze in die Stadt führt quer über die Flughafen-Rollbahn. Mit Ampel. Wenn rot, dann Flieger von rechts. Oder von links. Zu Fuß muss man schon ziemlich schnell sein, wenn die Ampel umspringt und man schnell noch rüber möchte!

Lanjaron, Andalusien

Über eine kurvige Bergstraße erreiche ich Lanjaron. Der langgezogene Ort klebt am Berghang und ist berühmt für seinen Wasserreichtum und seine Quellen, wie ich ergoogele, nachdem ich das frickelige Wlan ans Laufen gebracht habe. Außerdem gibt’s hier eine Burg, um die sich seinerzeit Mauren und Christen geprügelt haben.
Über die Dorfstraße ist der Länge nach ein Sonnensegel gespannt.
Vor dem Rathaus ist ein Springbrunnen mit – für diese Gegend – oppulenten Wasserspielen, und überall sind Kübel mit Grünpflanzen und Blumen.
Eine Promenade führt – wie ein Balkon am Hang entlang aus dem Dorf hinaus und dann in einen schattigen Park, voller duftender Pinien…

Montsegur: von Katharrern und dem Heiligen Gral

Montsegur. Ein schweißtreibender Fußmarsch in der August-Mittagshitze, steil bergan mehrere hundert Meter hoch und auf halber Höhe steht ein Kassenhäuschen. Die meisten Besucher, die den engen Pfad hinaufkraxeln sind Franzosen, dazwischen ein paar Spanier und hier und dort ein Deutscher oder Amerikaner.
Die Burg – oder wie auch immer man das nennen will – liegt ganz oben auf dem Gipfel. Übriggeblieben sind nur die mächtigen Außenmauern, drinnen ist ein leerer Hof. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen es hier oben einmal ausgehalten haben müssen, dann wirkt es plötzlich eng und bedrückend. Vor allem, wenn man weiß, dass kaum jemand die letzte Belagerung überlebt hat.
Am Nordhang außerhalb der Burgmauern sind noch ein paar weitere Mauerreste. Man kann sich Terrassen vorstellen. Hier war die Siedlung der Katharrer, eine richtige Stadt, und Felder und Gärten gab es wohl auch. Und wilde Verschwörungstheorien, die sich um den Heiligen Gral, Maria Magdalena, die Templer und alles Mögliche drehen… Stoff blutrünstiger Mittelaltergeschichten und Romane, Gerüst einer esoterischen Sagenwelt, an die man glauben kann oder nicht.

Guedelon, Burgund: Wir bauen uns eine mittelalterliche Burg

Stundenlang fahre ich durch strömenden Regen. Dann bin ich da. Der Regen wird weniger strömend und hört sogar auf.
Da ist zunächst einmal ein Parkplatz mit einem Zaun drumherum. Dann muss man Eintritt zahlen. Ja, und dann?
Da steht eine mittelalterliche Burg. Oder so etwas Ähnliches. Sie ist noch nicht ganz fertig, drumherum stehen Baugerüste. Alles ist voller Matsch, Pfützen, Matsch und nochmal Matsch. Um die Burg herum sind Hütten und Unterstände. Leute laufen in historischen Kostümen herum und ab und zu fährt ein Pferdekarren durchs Bild.
Nein, das ist kein Filmset! Das ist eine echte Baustelle. Hier wird eine Burg gebaut, mit mittelalterlichen Methoden!
Die Burg selbst sieht ungefähr so aus wie viele mittelalterlichen Burgen, die halbwegs erhalten sind – nur dass das Ding verfallen ist, sondern noch nicht fertig.
Spannend! Spannend vor allem all die Hütten drumherum, wo die Handwerker werkeln: vom Seilemacher bis hin zum Steinmetz, Mauer, Schreiner, Holzfäller und was man sonst noch so braucht…. und die arbeiten, während man da hindurch läuft und das Ganze besichtigt wie man eine mittelalterliche Burg besichtigt.
Ich flüchte vor dem nächsten Regenschauer unter das Strohdach, unter dem es Kaffee gibt, lese das Info-Blatt, und als der Regen nachlässt, gehe ich noch einmal über das ganze Areal…. und ruck-zuck sind drei Stunden herum.