Septemberreise 2017 nach Italien (Trentino, Apulien) und Albanien

Die Rahmenbedingungen:

Zwei Wochen Urlaub. Der Wunsch nach einer ausgewogenen Mischung aus Erholung und Abenteuer. Dabei wollen wir auf dem Boden bleiben – also kein Flugzeug besteigen. Nach Möglichkeit wollen wir alle Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen und pro Tag nicht mehr als 6 Stunden unterwegs sein.
Wir wollen etwas Neues kennen lernen – ein neues Land oder zumindest eine neue unbekannte Region. Und wir wollen Sonne. Im September.

Die Route:

Praktische Tipps

Bahnreisen in Italien: ein paar allgemeine Tipps

  • Anreise aus Deutschland: Einige (aber nicht alle) Verbindungen zwischen Deutschland und Italien lassen sich auf www.bahn.de online buchen. Je früher man bucht, desto größer die Chance auf einen günstigen Sparpreis. Die wichtigste Verbindung ist der Eurocity von München über den Brenner nach Bozen, Verona, Bologna und Venedig. Diese Züge können voll werden, wer kein Risiko eingehen will, sollte einen Platz reservieren. Es besteht allerdings keine Reservierungspflicht! Außerdem gibt es von München aus Nachtzüge nach Mailand, Florenz, Rom, und Venedig. Am Fahrkartenschalter können auch Tickets zu anderen Orten gebucht werden. Achtung: auch wenn keine ausdrückliche Zugbindung angegeben wurde, kann es in Italien Probleme geben, wenn man einen anderen als den gebuchten Zug nimmt.
  • In Italien: Inner-Italienische Fernverkehrsverbindungen können auf der Seite von Trenitalia als Onlineticket gebucht werden – die Seite gibt’s auch auf deutsch. Sie funktioniert aber nicht immer. Probleme gibt es dann, wenn bei einer Umsteigeverbindungen unterschiedliche Zugkategorien genutzt werden.
  • In Italien bekommt man Tickets am Schalter oder am Fahrkartenautomaten. Die Menüführung an den Automaten geht auch auf deutsch und englisch. Automaten nehmen nicht immer Bargeld. Aus dem Automaten gekaufte Tickets müssen vor Fahrtantritt an den gelben Stempelautomaten entwertet werden. Online-Tickets brauchen nicht entwertet zu werden, wenn darauf der genaue Reisetag und die Reisezeit angegeben sind.
  • Trenitalia hat Konkurrenz bekommen, z.B. die private Gesellschaft .Italo, die ebenfalls Fernverkehrszüge betreibt (mit eigenen Automaten und eigenen Fahrkartenschaltern)
  • Trenitalia betreibt verschiedene Zugkategorien. Die schnellsten Züge sind „Le Frecce“ (Singular: „Freccia“), „Die Pfeile“, vergleichbar mit den deutschen ICE’s. Sie sind schnell, zuverlässig – und nicht billig, wenn man keine Sonderangebote nutzt. Je früher man bucht, desto größer die Chance… Es wird unterschieden zwischen „roten“, „silbernen“ und „weißen“ „Pfeilen“, wobei die „roten“ die Schnellsten sind. An nächster Stelle stehen die „Intercitys“, ganz ähnlich wie deutsche IC’s, gefolgt von den langsamen Regionalzügen. Für „Frecce“ und IC’s besteht Reservierungspflicht. Die Besonderheit besteht darin, dass Tickets zwischen den Zugkategorien nicht austauschbar sind: also ein „Freccia“-Ticket gilt nicht im IC und auch nicht im Regionalzug (und logischerweise auch nicht umgekehrt). Für Regionalzüge gibt es keine Sparpreise, Tickets sind in der Regel nicht teurer, wenn man sie erst kurz vor Abfahrt kauft. Generell sind Regionalzüge deutlich günstiger als IC’s und diese wieder deutlich günstiger als „Frecce“, allerdings ist es möglich, dass ein „Freccia“-Sparpreis günstiger ist als ein Regionalzug-Normalpreisticket.
  • Zahlreiche Regionalverbindungen werden von privaten regionalen Gesellschaften (z.B. die Nonstalbahn oder die Ferrovie del Gargano) betrieben. Deren Fahrpläne findet man, wenn überhaupt, nur auf deren eigenen Webseiten. Tickets gibt es manchmal an eigenen Automaten oder Fahrkartenschaltern, manchmal auch nur am Kiosk, im Tabakladen oder im Café
  • Hier noch ein paar interessante Links:

Von Bologna über die Alpen zurück: der Heimweg

Morgens ist der Himmel blau und es ist wieder südländisch-sommerlich warm.
Ich gehe noch einmal durch die Stadt, trinke einen Espresso unter den Kolonaden an der Via dell‘ Indipendenza, dann langsam bis zur Piazza Maggiore, zu den zwei Türmen und zur Piazza Santo Stefano, mache Photos im herrlichen Morgenlicht.
Dann zum Hotel zurück, auschecken und mit Gepäck zum Bahnhof.
Die Bahnhofsuhr ist um zehn Uhr fünfundzwanzig stehen geblieben: die Minute des Attentates von 1980. Damals starben 85 Menschen, als im Wartesaal eine in einem Gepäckstück versteckte Zeitbombe explodierte. Der Wartesaal ist längst wieder in Betrieb, am Explosionsort ist eine Gedenktafel angebracht und in der Wand klafft immer noch der damals entstandene Riss – jetzt architektonisch als Fenster gestaltet.
Der Eurocity nach München wird bereitgestellt und ist brechend voll. In Deutschland ist Sauwetter, sagt der Schaffner, in den Bergen ist es empfindlich kalt und ganz oben soll es sogar geschneit haben.
Hier unten aber strahlt die Sonne, auch noch in Verona und Trient; erst in Bozen kommen Wolken auf.
Am Brenner haben wir eine Viertelstunde Aufenthalt: Zeit, um auszusteigen und in der Bahnhofsgaststätte einen Espresso zu trinken. Der Mann neben mir trinkt Bier und flirtet auf tirolerisch mit der jungen Frau hinter dem Tresen.
Hinter Innsbruck regnet es, über Kufstein strahlt ein Regenbogen und bei Rosenheim wird es dunkel.
Umsteigen in München…. nochmal umsteigen…. ankommen.
Wieder zu Hause.

Schiefe Türme und weitere Geheimnisse in Bologna

Wir gehen zu der Piazza mit den beiden Türmen zurück. Eindrucksvoll sind sie ja schon: aus dunklem Stein gemauert, mit nur ganz wenigen kleinen Fenstern, wie Trutzburgen. Der Höhere von den Beiden war seinerzeit – im Mittelalter, als er von einer reichen Kaufmannsfamilie gebaut wurde – eines der höchsten nicht-sakralen Gebäude des Landes (oder der Welt?). Früher einmal gab es über hundertfünfzig Stück davon in der Stadt, jetzt sind noch ein bis zwei Dutzend übrig geblieben, sie verstecken sich hinter den kolonadengesäumten Einkaufsstraßen in der zweiten Reihe in stillen Seitenstraßen.
An der Strada Maggiore wartet das nächste Geheimnis.Zwischen Bogengängen, an einem mittelalterlichen Anwesen, beginnt ein schmaler Durchgang, der Corte Isolani. Hier sollen irgendwo sollen drei mittelalterliche Pfeile stecken – seinerzeit von Bösewichten verschossen, die sich von einer entblößten hübschen Frau haben ablenken lassen.
Der Durchgang ist schick restauriert, es gibt Boutiquen, Cafés und Restaurants, aber keine Pfeile. Einmal ganz durch – und wieder zurück. Ganz vorne stehen Leute und legen den Kopf in den Nacken.
Aha, dort oben in den Holzbalken unter dem Vorbau also? Vielleicht.
Aber wie war das denn nun genau? Hatten die Bösewichte es auf den reichen Ehemann der Schönen abgesehen? Oder hat der gehörnte Ehemann seine Holde in Flagranti mit ihrem Liebhaber entdeckt? Von der Geschichte gibt es mehrere Versionen, die man sich so hinbiegen kann, wie man mag.

Die gar nicht so geheimen Geheimnisse von Bologna

Der berühmte Neptunbrunnen ist unter einem riesigen Baugerüst-Komplex verschwunden. Wenn er gerade nicht eingerüstet ist, kann man Neptuns… äh… also, sein bestes Stück sehen, aber er ist ja eingerüstet, also noch ein Geheimnis abgehakt. Drumherum sind Einkaufsstraßen und da kaufen Leute ein, nichts Geheimes daran. Also mal einen Blick in die Touristen-Info geworfen. Alles professionell organisiert hier: Keine zwei Sekunden durch die Tür wird man von einer professionell lächelnden jungen Frau angesprochen und bekommt einen Stadtplan in die Hand gedrückt. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun? Ja, dieses berühmte Fenster… Ich habe den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da hat sie schon das Kreuzchen gemacht auf dem Stadtplan und den Weg nach Klein-Venedig eingezeichnet.
Klein-Venedig ist ein Fenster von der Größe einer mittelgroßen Pizza. Dahinter nach links und rechts der Blick auf die Rückseiten von Wohnhäusern, dazwischen ein Kanälchen. Der Vergleich mit der Lagunenstadt ist doch… nun ja, vielleicht ein bisschen ehrgeizig.

Jagd nach Geheimnissen in Bologna

Morgens ist der Himmel grau, es ist kühl und fast schon hebstlich-neblig, ich überquere den Platz vor der Porta Galliera und gehe am Springbrunnen vorbei die Freitreppen hinauf zum Parco della Montagnolla. Auf der anderen Seite des Parks beginnt der Markt.
Der Plan für heute: die sieben Geheimnisse dieser Stadt zu entdecken.
Diese Stadt hat nämlich Geheimnisse! Je nach Quelle können es allerdings auch zehn sein oder nur fünf, wobei sich hinter manchen Geheimnissen zum Teil auch allgemein bekannte Sehenswürdigkeiten und Touristenfallen verstecken. Aber „Jagd nach Geheimnissen‟ klingt nun einmal defnitiv besser als „Abhaken von Sehenswürdigkeiten‟. Also, los geht’s!
Zunächst die Bogengänge der Via dell‘ Indipendenza entlang stadteinwärts. Zwischen den Bogengängen versteckt sich der Eingang zu einer Kirche – das erste Geheimnis?
Der Innenstadtnahe Teil der Straße ist heute, am Wochenende für den Autoverkehr gesperrt und voller Menschen. Vor einer neu eröffneten Boutique stehen junge Frauen Schlange – was auch immer es da heute kostenlos gibt, soll mir ein Geheimnis bleiben.
Die Fassade der Basilika San Petronio ist seit vielen hundert Jahren unfertig geblieben und sieht daher von außen eher unspektakulär aus – drinnen hingegen findet sich nicht nur die geheimnisvolle in den Boden eingelassene „Mittagslinie‟ sondern auch jede Menge Kirchenpracht.
Ein paar hundert Meter weiter sind die berühmten zwei Türme. Der Kleinere davon ist fast so schief wie der schiefe Turm von Pisa. Der andere ist ziemlich hoch, und oben soll eine zerbrochene Vase herumliegen, was eines der offiziellen Geheimnis ist. Man kann hinaufklettern und nachschauen, aber die Tickets muss man in der Touristeninformation vorausbuchen.
Geschenkt. Auf zum nächsten Geheimnis.

Von Bari nach Bologna: noch ein bisschen Sommer

Im Bahnhofscafé von Bari noch ein Espresso im Stehen, dann los zum Gleis.
Der Zug ist pünktlich, bequem und klimatisiert. Stunde um Stunde geht es am Meer entlang: blauer Himmel, blaues Meer, Palmen, Strand und Hotelanlagen…
Der füllige Herr im Sitz gegenüber hat die Augen geschlossen und imposante Kopfhörer auf den Ohren. Manchmal schnarcht er, dann wieder scheint er aufmerksam seiner Musik zu lauschen und spielt mit den Händen Klavier. Der schmale junge Mann neben ihm – Marken T-Shirt, auffällige Sonnenbrille und gegeltes, schwarzes Haar – spielt auf seinem Handy. Hinter Pesaro wird es dämmerig, die Autos haben Licht an und am Himmel sind Wolken aufgezogen. Dann ist das Meer plötzlich weg. In Rimini steigt eine junge Mutter mit Kinderwagen aus, da ist es schon richtig Dunkel.
In Bologna findet sich zum Glück noch eine offene Pizzeria in Bahnhofsnähe. Essen und Bier sind nicht schlecht, aber zu teuer.
Draußen ist es kühl geworden.

Fähre von Bari (Italien) nach Durres (Albanien)

Aktuell (September 2017) gibt es (mindestens) zwei Fährgesellschaften, welche die Strecke bedienen.
Sowohl Fahrzeiten als auch Preise sind weitgehend identisch. Die Buchung gelingt problemlos online durch eines der großen Buchungsportale.
Abfahrt von Bari ist um 23:00 Uhr, man muss zwei Stunden vorher im Hafen sein, heißt es im Ticket-Ausdruck. Der Check-In-Bereich (Eine Reihe von Abfertigungsschaltern der verschiedenen Fährgesellschaften im Freien, überdacht) befindet sich ca. ein bis zwei Kilometer westlich vom Liegeplatz des Schiffes entfernt.
Der Taxifahrer vom Bahnhof verlangt zunächst einen Fixpreis von 12 EUR, der aber angeblich „nur“ zum Hafeneingang gilt und schlägt dann noch einem 3 EUR für die Strecke bis zum Check-In drauf.
Vom Check-In gelangt man dann mit einem Gratis-Shuttle-Bus zum Liegeplatz des Schiffes, dort geht man durch die Zollkontrolle und dann zu Fuß auf das Schiff.
Hinfahrt mit „Rigel 3“ von Ventouris Ferries: Man geht zu Fuß durch die Klappe in den Fahrzeug-Bereich, von dort führt eine Rolltreppe nach oben zu einer schicken „Rezeption“, dort werden die Kabinen zugewiesen.
Kabine war okay: zwei Betten übereinander, ein Sessel, kleine Nasszelle. Auf dem Schiff gibt es ein Selbstbedienungs-Restaurant, mehrere Bars, sogar eine „Disco“. Das Schiff war offenbar früher einmal auf der Ostsee in Skandinavien unterwegs.
Ankunft in Durres pünktlich gegen 08:00 Uhr (Siehe: Hafen Durres)
Rückfahrt mit „Rigel 1“, ebenfalls von Ventouris Ferries: Das Schiff ist älter, war wohl früher einmal zu Sowjet-Zeiten vom damaligen Leningrad aus auf der Ostsee unterwegs (in einem Treppenhaus hängt eine Collage mit Abbildungen aus Leningrad!), aber ordentlich. Es gibt nur eine Bar und ein Seif-Service-Restaurant.

Ein Morgen in Bari

Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne wärmt schon am frühen Morgen.
In einem Straßencafé ein Cappuccino und ein zuckeriges Croissant, mit Pistaziencreme gefüllt.
Dann durch die Innenstadt: über den schattigen Corso Cavour und breiten palmengesäumten Corso Vittorio Emanuele, dann einen Blick in die Kathedrale geworfen (die tatsächlich „Kathedrale‟ heißt und nicht „Dom‟) und weiter zur normannischen Festung. Da ist es Zeit für den nächsten Cappuccino.
Das deutsche Paar am Nebentisch gibt den bettelnden Kindern ihre leeren Fanta-Dosen, welche gleich wütend auf die Straße geworfen werden. Hier gibt es kein Dosenpfand. In den verwinkelten Altstadtgassen stellen Frauen Orecchiette her und trocknen sie in hölzernen Rahmen. Auf der Piazza Umberto vor der Universität laden Bücher-Kioske zum Stöbern ein.

Von Durres nach Bari: über das Meer zurück

Am frühen Abend geht’s wieder zum Hafen. Noch ein schnelles Bier vor dem Check-In, dann durch die üblichen Kontrollen und auf den Dampfer. Noch ein zweites Bier und ein paar Spaghetti an Bord, dann ein paar Stunden Schlaf. In aller Frühe wird vehement gegen die Kabinentür geklopft, obwohl sich der Dampfer immer noch auf hoher See befindet, mindestens eine Stunde vom Ufer entfernt.
Wenn wir dann endlich an Land sind, brennt die Sonne schon heiß auf die Mauern der großen Hafenstadt. Es bleibt noch Zeit um über weite Boulevards und durch enge Altstadtgassen zu schlendern und die Festung und die Kathedrale zu besuchen.

Weiter geht’s: vom Gargano nach Bari…

Ein Morgen dämmert herauf. Das Gewitter ist vorbei, der Sturm hat sich verzogen, aber der Himmel ist bedeckt und es regnet immer noch leicht. Die weiße Stadt wird langsam wach.
Im Hotel noch ein Cappuccino, dazu ein überzuckertes Croissant und dann geht es los. Eine lange Reise liegt vor uns.
An der Bushaltestelle nieselt es nur ganz leicht, aber schon während der kurzen Fahrt über den bewaldeten Hügelrücken hinüber in die Nachbarbucht von Calenella wird der Regen wieder heftiger. Calenella ist die Endstation der Gargano-Bahnlinie, aber heute fahren hier keine Züge.
Ein Ersatzbus steht abfahrbereit da und der Regen pladdert inzwischen so heftig, dass mir die paar Meter zum Bahnhofscafé zu weit sind und ich lieber die halbe Stunde im Bus sitzen bleibe. Dann geht es los: An der Küste entlang bis Rodi, dann landeinwärts, hin und wieder Blick auf die Lagune von Varano, zwischendurch Halt an winzigen Bahnhöfen im Nirgendwo – der Bus muss sich über kleine Stichstraßen dorthin quälen und mysteriöserweise steigen tatsächlich Leute ein und aus.
In Varano endlich kann man in den Zug umsteigen. Über Apricena und San Severo geht es nach Foggia. Der Anschlusszug fährt uns buchstäblich vor der Nase weg, also Zeit für einen Cappuccino im blitzsauberen und belebten Bahnhofscafé.
Dann im Bummelzug nach Bari: die Strecke führt weitgehend durch das Landesinnere, nur ab und zu blinkt das Meer durch. In Bari scheint wieder die Sonne: Vor dem Bahnhof ein Kreisverkehr mit eindrucksvollem Springbrunnen, eine Touristeninformation, die aber wg. Mittagspause-Siesta gerade geschlossen ist, eine Fußgängerzone führt in die Innenstadt.

Sommergewitter am Gargano

Morgens noch im Meer geplanscht.
Mittags ein Spaziergang am Strand und ein herrlich entspanntes Mittagessen unter Sonnenschirmen. Spaghetti, Bruschetta und Weißwein. Es ist schwül, nachmittags dann zunehmend windiger, der Himmel erst diesig dann zunehmend bewölkt.
Am frühen Abend dann noch einmal in die Stadt, ein wenig durch die Gassen flaniert: inzwischen ist es deutlich kühler geworden, der Himmel ist grau und über dem Meer sind schwere dunkle Gewitterwolken.
Zum Abendessen in ein Terrassenlokal mit Blick über die Bucht: die Dame des Hauses bittet uns nach drinnen, der kleine Gastraum wirkt fast wie das Wohnzimmer der Familie. Bei Pizza und Wein wird es draußen richtig dunkel und dann pladdert ein wolkenbruchartiger Regen und die Gassen verwandeln sich in Sturzbäche…

Peschici: im Fegefeuer

Sobald die Sonne untergegangen ist, verwandelt sich die weiße Stadt.
Dann ist sie weder weiß noch grau, sondern bunt. In den engen Gassen tobt das Leben.
Neben der Kirche ist die Fegefeuer-Gasse. Die ist ganz kurz, führt steil hinab und endet nach vielleicht zwanzig Metern an einer Weinbar.
Nein, sie endet dort nicht. Sie geht noch weiter, einen knappen Meter scharf links und dann noch steiler bergab, so schmal, dass ein beleibterer Mensch den Bauch einziehen müsste um durchzukommen. Heute Nacht aber ist gar kein Durchkommen: Vor der Weinbar tobt das Leben. Auf den wenigen Quadratmetern hat sich eine Band positioniert und spielt von schnulzigen Schnulzen bis hin zu landesüblichen Top-Hits alles, was die Leute hören wollen. Man holt sich seinen Wein oder sein Bier aus der Bar, trinkt und singt mit….

Ferrovie del Gargano – Bahn und Bus auf dem Gargano

Der Bahn- und Busverkehr auf dem Gargano wird von den privaten Ferrovie del Gargano betrieben.
Die Bahnlinie führt von Foggia über San Severo auf die Nordseite der Gargano-Halbinsel über Apricena, San Nicandro und Rodi und endet in Calenella, ca. 6 KM vor Peschici. Von dort gibt es eine Buslinie über Peschici nach Vieste (interessant: die Bahnlinie führt jetzt direkt durch den Ort Apricena – früher führte sie wohl in weitem Bogen am Ort vorbei).
Von Vieste aus führt eine weitere Buslinie an der Südseite des Gargano nach Manfredonia (von dort Trenitalia-Zug nach Foggia und weitere Buslinien).
Die Züge von Foggia bis Peschici-Calenella fahren tagsüber ca. alle 2 Stunden. In Calenella besteht normalerweise Bus-Anschluss nach Peschici und Vieste (ebenfalls ca. alle 2 Stunden).
Die Abfahrtszeiten findet man auf italienisch auf der brauchbaren Webseite der Ferrovie del Gargano.
Eine Merkwürdigkeit:
Tickets bekommt man ausschließlich in bestimmten Cafés und Tabakläden, nicht jedoch an den Fahrkartenschaltern und Automaten der großen Hauptstrecken-Bahnhöfen Foggia und San Severo.
In Foggia bekommt man die Tickets in dem Kiosk / Tabakladen in der Bahnhofshalle.
In San Severo bekommt man Tickets in dem Café auf der anderen Seite des Bahnhofsplatzes (vom Hauptausgang gesehen schräg links).
In den kleinen Orten ebenfalls in verschiedenen Cafés in Bahnhofsnähe. An den Bahnhöfen selbst gibt es keine Automaten und auch keine eigenen Fahrkartenschalter.
In allen Zügen fahren Schaffner bzw. Zugbegleiter mit, die auch Fahrkarten verkaufen, diese sind dann allerdings etwas teurer als im Vorverkauf.
Im September 2017 gab es auf einem Teil der Strecke Schienenersatzverkehr mit Bussen.

Isole di Tremiti

Als ich nach dem Aufwachen aus dem Fenster schaue, regnet es. Es hat wohl die ganze Nacht geregnet. Auf dem Weg zum Hafen nieselt es nur noch, und es ist ein warmer Sommerregen.
Das kleine Boot pflügt in einem derartigen Affenzahn über das Meer, dass man schon einen sehr guten Magen braucht um nicht seekrank zu werden. Ich schließe die Augen, schlafe ein, döse die Küste entlang und über das offene Meer. Irgendwann wage ich mich nach draußen aufs Deck – und, o Wunder, die Wolken sind weg, die Sonne strahlt und links voraus kann man schon die Inseln sehen. Nach zwei Stunden ist die kleine Insel San Nicola erreicht und der Himmel auch wieder so blau, wie sich das für diese Jahreszeit in dieser Gegend gehört.
Blick aus dem Fenster: Da prescht ein Schlauchboot mit Außenbordmotor vorbei und der Skipper scheint nicht zu merken, dass sich ein Stapel Papiere selbsttändig macht und über das Wasser verteilt. Zur anderen Seite eine kleine Hafenmole, dahinter ein Restaurant. Im Obergeschoss residiert die Guardia die Finanza.
„Willkommen am Nabel der Welt!‟ steht auf einer Tafel an der Hafenmauer.
Ein Cappuccino im Stehen.
Die Dame hinterm Tresen erklärt einem italienischen Touristen, was es hier auf der Insel so zu sehen gibt.
Der einzige Weg führt durch einen Tor steil bergauf zwischen dicken Mauern hinauf in die ehemalige Festung, die früher einmal eine Art Strafkolonie war. Heute ist hier eine freundliche kleine palmengesäumte Piazza mit Läden, Cafés, dem Rathaus und zwei oder drei Pensionen. Eine Freitreppe führt hinauf zur Kirche. Links daneben ist ein Kreuzgang und dahinter wieder dicke Festungsmauern. Ein Pfad führt über einen schmalen Grat – rechts und links fallen die Felsen fast senkrecht zum Meer hin ab – zum hinteren, unbewohnten Teil der Insel, hier gibt es nur sonnendurchglühtes Grasland, Gestrüpp und eine militärische Antennenanlage.
Also schnell wieder zurück, zum Hafen hinunter, wo das offene Ausflugsboot wartet. Einmal um die beiden bewohnten Inseln herum, an lauschigen Buchten und Felsen vorbei, in eine Grotte hinein und dann Badepause vor der unbewohnten dritten Insel Capraia. Hier soll es auf dem Meeresboden eine versenkte Heiligenstatue geben.
Ankunft auf San Dominio, der zweiten, größeren bewohnten Insel. Hier gibt es duftende Pinienwälder, ein kleines Dorf mit einer handvoll Restaurants, Hotels und Pensionen und immer wieder einen herrlichen Blick auf das tiefblaue oder türkisgrüne Meer.
Kurze Überfahrt zurück nach San Nicola, im Hafencafé noch etwas getrunken und dann eine schaufelige Rückfahrt zum Festland.

Regen in Peschici

Es regnet.
Seit gestern Abend. Die ganze Nacht lang. Wie kann das sein?
„Die wenigen Niederschläge fallen in dieser Region weitgehend ausschließlich im Herbst und Winter.“, so heißt es im Reiseführer. Und auf Wikipedia, wobei man sich fragt, wer wohl von wem abgeschrieben hat. Jedenfalls hatten sie Unrecht: Es regnet, ununterbrochen, seit mindestens zehn Stunden schon und die weiße Stadt ist grau geworden.
Grau ist auch das Meer, leicht gekräuselt, wie gestern. In Regenjacken verpackt stapfen wir zum Hafen, wo unser Schiff wartet…

Peschici: die weiße Stadt am Meer

Ein Haufen weißer Häuserwürfel auf einem Felsenkamm, der die Bucht überragt.
Nicht so makellos weißgetüncht wie anderswo, keine markanten Bauwerke, die aus dem Würfelhaufen herausragen würden.
Mit dem Auto fährt man eine Serpentinenstraße hinauf. Zu Fuß kann man die Treppen nehmen.
Oben angekommen erreicht man ein Gewusel von engen Gässchen. Nichts Besonderes auf den ersten Blick.

Peschici: Wie der Strand funktioniert

Heute gibt’s Wellen. Die sind zwar ganz zahm, kein Surfer würde sich die die Mühe machen, sein Gerät auszupacken und in anderen Gefilden täte man das Ganze als leichtes Gekräusel ab – hier und jetzt aber ist die Situation so ernst, dass an den Hochsitzen der Strandwächter die rote Flagge gehisst wird.
Die Badegäste halten sich dran. Fast alle. Wer doch reinhupft, der hat heute das ganze Meer für sich allein.
Der Rest bleibt brav auf den Liegen unter gelb-roten oder blau-weißen Sonnenschirmchen oder auf anarchisch ausgebreiteten Strandlaken in der umparzellierten Zone. Da haben sich auch die die afrikanischen Händler niedergelassen: Frisch vom Badetuch gibt es Handtaschen, Turnschuhe, Uhren und frischgepresstes extra-jungfräuliches Olivenöl zu kaufen. Für Letzteres werden nur Bestellungen entgegengenommen, geliefert wird dann direkt zum Hotel.
In Badehose vorbei an schwer arbeitenden Gemüsearbeitern durch den verbotenen Gemüsegarten zu laufen erschien mir doch ein wenig unpassend – stattdessen durchquere ich das parzellierte Areal exakt an der Grenze zwischen der blauweißen und rotgelben Zone, bereit, jederzeit ins Ausland überzuwechseln, falls ich angesprochen werden sollte, aber es interessiert sich zum Glück niemand für meine Grenzverletzungen.
Die vordersten fünf Meter – direkt am Wasser – sind übrigens so eine Art internationale Zone. Da darf man unbehelligt entlangflanieren – oder den Einwohnern aller Zonen vom handgezogenen Wagen herab bunte Tücher und anderen Schnickschnack verkaufen.
Zum Schwimmen zieht man sich dann besser doch wieder an den Hotelpool zurück.

Peschici: Wo ist das Meer?

Aufwachen, frühstücken, und dann ab in den Pool.
Das Wasser ist kühl, der Himmel blau – und das Meer nur einen Steinwurf entfernt. Raus aus dem Pool, das Hotelgelände durch den Hintereingang verlassen und keine hundert Meter weiter, am Ende des asphaltierten Weges beginnt der Strand. Also, schwupps, und… wenn das mal so einfach wäre!
Strände sind in diesem Land streng parzelliert. Links von mir stehen lauter gelbrotgestreifte Sonnenschirmchen akkurat in Reih und Glied vor roten und gelben Sonnenliegen. Den Eingang zum gelbroten Reich ziert ein fröhlicher Torbogen. Eine Reihe von Pfosten markiert die Grenze. Unmittelbar dahinter regieren die blauweißen Schirmchen, ebenso akkurat platziert und das weißblaue Tor wird von einem Zerberus bewacht, begleitet von einem Schild, welches eindeutig klarstellt, dass Personen, die nicht zum weißblauen oder zum rotgelben Kundenkreis gehören hier nichts verloren haben.
Etwa hundert Meter weiter ist ein Streifen sonnenschirmlosen Strandes. Aber wie hinkommen, ohne das weißblaue oder rotgelbe Territorium zu durchqueren? Zwischen dem sonnenschirmfreiem Strand und dem Rest der Welt ist eine Mauer. Darin ist ein Tor. Das steht offen. Hinter dem Tor ist ein Gemüsegarten, der sich bis zur Straße erstreckt. Da ist noch ein Tor. Daran ein Schild, welches sagt, dass es sich hier um Privatgelände handelt und der Durchgang strengstens verboten ist.
Was eine mit Strandutensilien bepackte Familie nicht daran hindert, erhobenen Kopfes hindurchzuschreiten. Dicht gefolgt von einem jungen Pärchen, einem älteren Paar, einer weiteren Familie und einem Herrn mit Hund.
Ich werde noch eine Weile brauchen, bis ich diese Regeln verstanden habe.