Ein Abend in Rimini

Der Zug, der uns aus den Bergen hinausführt, hat Verspätung.
Beim Umsteigen in Bologna ist natürlich der Anschluss weg. Auf dem wuseligen Bahnhof ist es südländisch-sommerlich heiß. Eine Dreiviertelstunde bis zum nächsten Zug und eine weitere Dreiviertelstunde im klimatisierten Schnellzug.
Rimini ist ganz anders als das, was man sich darunter vorstellt. Ehrlich gesagt, habe ich mir gar nichts vorgestellt. Oder vielleicht doch? Die Urlauber, die vor fünfzig Jahren schon hier waren, kommen immer noch her, mit Rollator, Rollstuhl und Elektro-Scooter. In der Innenstadt gibt es einen zweitausend Jahre alten Torbogen, eine ebenso alte Brücke, über die heute noch Autos donnern und noch weitere Baudenkmäler aus dieser Zeit. Dazwischen Kirchen und Paläste – es ist eine sehr alte Stadt, was schon Wikipedia weiß, aber das Stadtbild ist ein bisschen uneinheitlich, unaufgeräumt und durcheinander. Auf der großen Piazza flanieren überwiegend Einheimische.
Am Flüsschen entlang gelangt man zum Meer.
Als die Sonne untergeht, ist es immer noch warm.

Aufbruchsmorgen in Trient

Die Sonne strahlt vom wolkenlos blauen Himmel und die Berge strahlen zurück.
Es ist gar nicht so leicht, ein passendes Café zum Frühstücken zu finden: Lokale gibt’s genug. Auch in den Restaurants und den Bier- und Weinbars bekommt man morgens seinen Kaffee. Die Auswahl fällt schwer. Die Kunst besteht darin, es so zu machen wie die Einheimischen: ein Cappuccino und eines jener pappsüß überzuckerten mit Vanille- oder Schokoladensoße gefüllten Croissants am Tresen im Stehen zu sich zu nehmen – und dabei nicht zu krümeln.
Die Straßen sind belebt. Auf dem Markt wird verkauft, Arbeiter arbeiten, Geschäftsleute telefonieren und Touristen pilgern zur Burg, die wir auf dem Weg zum Bahnhof fast zufällig entdecken.

Nonstalbahn (Bahnstrecke Trient – Cles – Male – Mezzana)

Von Trient aus führt eine Schmalspurbahn zunächst Etsch-aufwärts parallel zur Hauptstrecke bis Mezzocorona und biegt dort ins Nonstal (Val di Non) ab. Die Strecke führt dann zunächst durch eine Schlucht, schraubt sich dann auf eine Hochebene hinauf, erreicht den Hauptort Cles und biegt dann in das Val die Sole ab.
Endstation war bislang der beschauliche Bergort Malé, inzwischen führt die Strecke aber noch ein paar Kilometer weiter bis Mezzana.
Tagsüber fahren die Züge ca. alle zwei Stunden, zur Hauptverkehrszeit auch öfters.
Die Abfahrtszeiten finden sich (nur auf italienisch) auf der Webseite von Trentino Transporti. Die Seite ist allerdings recht unübersichtlich.
Auf den Fahrplänen von Trenitalia existiert die Bahn nicht. Die Bahnhöfe haben Ticket-Schalter, einige kleinere Bahnhöfe auch Automaten. In den Zügen fahren Schaffner bzw. Zugbegleiter mit, die auch Fahrkarten verkaufen.
Die Endstation in Trient befindet sich an der Nordseite des Hauptbahnhofes (wenn man vor dem Gebäude steht nach rechts gehen oder auf dem Bahnsteig 1 in nördliche Richtung gehen) , es gibt dort eine eigene kleine Bahnhofshalle.

Der zweite Abend in Trient: Die Kunst des Aperitivo

Mildes, goldenes Abendlicht in der Stadt. Die Piazza sieht von jeder Seite aus anders aus. Die Straßen sind voller fröhlicher junger, junggebliebener und nicht ganz so junger Leute, es geht ums Sehen und gesehen werden.
Im Café am Dom ist Happy Hour. Ich ordere einen Aperol Spritz. Dazu gibt es pikant gewürzte Kartoffelecken. Anderswo gibt es zum Drink kleine Canapés, oder Oliven, Chips und Knabberzeug. Es macht Spaß, Leute zu beobachten.

Von Trient ins Nonstal

In einer Viertelstunde geht der Zug. Aber von wo? In den Fahrplänen am Bahnhof ist er nicht zu entdecken, im Internet genausowenig, und es dauert eine Weile bis wir herausfinden, dass sich am nördlichen Ende des Bahnhofes noch ein kleiner Extra-Bahnhof befindet, mit eigener Bahnhofshalle, zwei blitzsauberen Bahnsteigen und modernen Elektrotriebwagenzügen, in denen es sogar Wlan gibt. Nur Ticketautomaten sind nirgens zu sehen, man muss ganz altmodisch an den Schalter.
Das Bähnchen zockelt los, zunächst durch Vororte, dann weitläufige Obstplantagen, schließlich biegt es in das enge Seitental ein, durch eine Schlucht und dann spektakulär am Hang entlang hinauf in das Hochtal, am Stausee vorbei, durch weitere Obstplantagen, Wald und Berglandschaften zur Endstation Malé.
Wo sind wir hier?
Das Bergdorf ist in der Mittagszeit wie ausgestorben. Die Läden sind geschlossen. Es gibt zwei Kirchen und zwei Cafés und drumherum eine Menge Wald, Fels und schneebedeckte Gipfel.
Wir fahren mit dem nächsten Zug ein paar Stationen zurück nach Clés. Der Ort wirkt viel städtischer. Auf dem Markt gibt es billige Kleidung aus China und alles, was man sonst noch zum Leben braucht. Eine Seitenstraße führt aus dem Städtchen hinaus in die Obsthaine und weiter zu der Burg, die den oberen Teil des Tales bewacht.

ein Abend in Trient

Erster Spaziergang in die Stadt. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Die Straßen sind blitzsauber, es gibt Durchgänge mit Innenhöfen und schließlich landet man auf einer Prachtstraße, die auf den Dom zuführt.
Davor eine Piazza mit einem Brunnen, an der Seite mehrere Cafés. Also Zeit für einen Espresso – natürlich im Stehen an der Bar. Und jetzt noch ein Mineralwasser dazu. Wie ordert man das korrekt auf italienisch? Kann man sich einfach so in der Kühlvitrine bedienen?
Draußen regnet es wieder ganz leicht und die Flaneure packen Regenschirme aus.
Zeit fürs Abendessen. Restaurants gibt es genug: schicke und teure Restaurants, Restaurants ohne Speisekarte und einfache Pizzerien. Die italienische Kunst des Aperitif-Nehmens muss man noch lernen. Und zum Nachtisch ein Eis – da kann man nichts falsch machen in diesem Land. Den Blick über die Piazza und den Neptun-Brunnen, über die bunten Gebäude hinweg auf die Berge gibt es gratis dazu.

über den Brenner nach Trient

Ein kühler Morgen dämmert herauf.
Es ist nicht mehr Sommer und noch nicht Herbst. Sonntagmorgen: in den Straßen ist es feierlich-still, nur am Bahnhof ein bisschen Leben. Immerhin, die Bäckerei ist geöffnet und es gibt Kaffee und Brezeln.
Der Regionalzug steht bereit und zockelt pünktlich los.
Nebelfetzen über den Wiesen.
In München steigen wir in den Eurocity, der uns auf die andere Seite der Alpen bringen wird. Der Zug ist brechend voll. Reisende granteln einander an, schieben voluminöse Koffer durch die Gänge und streiten darüber, wer wem aus dem Weg zu gehen hat. Es geht los. Draußen Nieselregen. Pfützen auf den Wiesen. Dramatisch dunkle Wolken und Nebelfetzen, die durch die Täler wabern. An der Grenze steigt die Schulklasse aus, von hier an wird es allmählich leerer. Der Zug schraubt sich die Berge hinauf.
Am Brenner haben wir eine knappe Viertelstunde Aufenthalt. Am Bahnsteig stehen Polizisten. Ich steige aus, um mir die Füße zu vertreten. Rein theoretisch hätte ich sogar Zeit für einen Espresso.
Dann geht es weiter, ab Bozen ist der Himmel hin und wieder blau, aber beim Aussteigen in Trient nieselregnet es wieder.
Immerhin: ein freundlicher, warmer Sommernieselregen…

Alpenreise 2016

Eine weitgehend ruhige Reise durch das Montafon und Südtirol…

Die Route:

  • Tag 1:Aus dem Allgäu (Oberstaufen) über den Bregenzerwald und das große Walsertal nach Schruns-Tschaguns im Montanfon
  • Tag 2:Regen im Montafon
  • Tag 3: Montafon
  • Tag 4: Montafon
  • Tag 5: Montafon
  • Tag 6: Montafon
  • Tag 7: Montafon
  • Tag 8: Von Schruns-Tschaguns über die Silvretta-Hochalpenstraße und das Oberinntal nach Pfunds in Tirol, Abstecher ins Samnauntal
  • Tag 9: Von Pfunds nach Altfinstermünz – und kurzer Ausflug nach Schouls im Engadin
  • Tag 10: Von Pfunds über den Reschenpass mit Abstecher ins Münstertal nach Meran
  • Tag 11: Meran
  • Tag 12: Meran
  • Tag 13: Meran
  • Tag 14: Von Meran durch das Passeiertal zum Timmelsjoch bis Ötz im Ötztal, Abstecher zum Kühtai
  • Tag 15: Über den Reschenpass und Reutte nach Deutschland zurück

Februar 2014: Winterreise nach Wien, Triest und Venedig

Februar 2014: Winterreise nach Triest und Venedig

  • Im Winter ans Mittelmeer? War ich noch nie! Triest ist eine wunderschöne Stadt und Venedig im Februar definitiv eine Reise wert. Eine spannende Reise… die vor allem sehr dramatisch angefangen hat

Die Route:

Im Nachtzug von Venedig nach München

Das Single-De-Luxe-Schlafwagenabteil, unterscheidet sich vom Standardabteil durch ein eigenes Klo und eine eigene Dusche. Es gibt ein Bett (mit ziemlich kleinem Kissen) und kleinen Sitz am Fenster, aber keine Ablagefläche. Zum Glück eine Steckdose und verschiedene Leselampen. Das Rollo ist heruntergelassen, aber man kann es öffnen.
Ich richte mich ein und der Zug fährt los, über den Damm nach Mestre und dann lasse ich die nächtliche Landschaft wie einen Film an mir vorbeiziehen.
Ich probiere die Dusche aus – die wird nicht richtig warm, aber immerhin, nach so einem Tag in Venedig ist es angenehm erfrischend.
Ich schaue weiter aus dem Fenster und dann kommt auch schon Udine und dahinter irgendwo beginnt so etwas wie eine dunkle, wilde Berglandschaft.
Ich döse ein und wache auf, ein längerer Halt: Tarvisio Boscoverde, die Grenzstation, ein erstaunlich großer Bahnhof. Draußen liegt Schnee.
Ich döse wieder ein, der Zug fährt weiter, ziemlich langsam…. dann ein sehr, sehr langer Halt in Villach, draußen liegt Schnee. Die Polizei klopft an die Abteiltür und will meinen Ausweis sehen, ich döse weiter in einer Art Halbschlaf, bilde mir ein, die ganze Zeit über das Rattern zu hören und versuche, zu erahnen, wo wir gerade sind, ohne die Augen zu öffnen.
Es geht langsam und offenbar in Kurven bergan, dann werden die Fahrtgeräusche lauter, das muss der Tunnel zwischen Mallnitz und Böckstein sein, dann nach einer Weile wieder ein längerer Halt, es wird geruckelt und gekuppelt, eindeutig Salzburg. Um vier Uhr fünfundzwanzig soll es weiter gehen. Und wieder klopft es an der Tür, diesmal die deutsche Grenzkontrolle, aber ich bin eh wach.
Ich stehe auf, dusche und ziehe mich an, dann klopft es erneut, um kurz nach fünf, es ist die Schaffnerin mit dem Frühstück. Draußen stockdunkel. Es gibt eine Semmel, Kaffee, Apfelsaft und ein kleines Weißbrotzopfdingsda, dazu Butter, Marmelade und Leberwurstaufstrich. Ich richte mich mit meinem Kaffee auf dem Bett ein, dann klopft die Schaffnerin erneut, sammelt das Tablett ein, immerhin bietet sie mir ungefragt einen zweiten Kaffee an.
Ich höre Musik und schaue aus dem Fenster, hinter Rosenheim beginne ich, meine Sachen zusammen zu packen. Draußen die ersten Münchener Vororte. Halt in München Ostbahnhof. Keine Hektik! München Hauptbahnhof. Ich balanciere meine Sachen durch den Korridor und steige aus.

Abschied von Venedig

Die Pizza Margarita ist lappig und matschig, aber… okay, große kulinarische Meisterwerke habe ich hier eh nicht erwartet. Es gibt noch einen Kaffee, dann stehe ich auf. Erstaunlich sauberes Klo mit winzigem, vergittertem Fensterchen, das Gitter ist solide aus Eisen geschmiedet. Ich lege meinen Zehneuroschein auf den Tresen und gehe.
Es ist ungefähr halb acht und den Weg zum Hotel habe ich unterschätzt. Blick auf die Kirche Salute, Blick auf San Giorgio, über die kleine Piazza San Zacharia und diese wundeschöne kleine Piazza dahinter, um ein paar Ecken herum, an der Rückseite des Dogenpalastes vorbei -dann hole ich mein Gepäck ab und mache mich auf zum Bahnhof.
Neunzehn Uhr zweiundvierzig. Jetzt aber zügig!
Über den Markusplatz zur Vaporetto-Station. Hektik. Ich renne zwischen den verschiedenen Anlegern hin und her. Das Boot der Linie zwei fährt nicht, ich muss die langsame Nummer eins nehmen – wie lange dauert das? Vierzig Minuten, sagt die Dame am Schalter. Reicht das aus? In zwei Minuten geht das nächste Boot, um Zwanzig uhr Siebenundfünfzig geht der Zug. Ich habe ja gar keine andere Wahl.
Ganz langsam gleitet das Boot über den Canal Grande…. Die Kirche Santa Maria della Salute… viele Zwischenstationen bis zur Rialto-Brücke… verstohlener Blick auf die Uhr: zehn nach acht.
Blick auf die Paläste: Das ist doch einfach wunderschön! Ob ich es rechtzeitig schaffe? Ich könnte aussteigen und zu Fuß rennen, vielleicht wäre ich dann schneller… nee, das mache ich nicht! Also genieße ich die langsame Fahrt… immer wieder diese Anlegemanöver: der Fahrer verlangsamt die Maschine, der Schaffner oder Matrose oder was auch immer er ist wirft das Tau um den Poller, der Fahrer fährt rückwärts und presst das Boot an den Anleger, der Matrose schiebt das Gitter zurück, Aussteigen, Einsteigen, Warten auf Nachzügler, Gitter zu, Leinen los und weiter… ab und zu warten auf Gegenverkehr, wenn an der Haltestelle schon ein anderes Schiff liegt… um halb neun sind wir eine Station vor dem Bahnhof, an der Kreuzung, wo der einzige ebenfalls von Vaporettos befahrene Seitenkanal abgeht, um Zwanzig ihr vierunddreißig dann am Bahnhof….. ich steige aus…. noch ein Blick auf den Canal Grande, genau denselben Blick wie bei der Ankunft… dann drehe ich mich um und der Bahnhof ist ein ganz normaler Bahnhof. Mein Zug steht an Gleis acht bereit.
Mein Schlafwagen-Abteil ist im zweitvorderen Wagon. Anscheinend sind gar nicht viele Reisende unterwegs. Ich steige ein, mache mich in meinem Abteil breit, öffne eine Flasche Bier und genieße die Fahrt

Touristenpizza in Venedig

Ich habe Hunger und entdecke ein kleines Lokal gleich hinter dem Markusplatz. Draußen ist ein Schild, welches Pizza plus Getränk und Kaffee für zehn Euro anpreist. Drinnen winzige Tischchen. Der Laden ist winzig und wirkt eher wie eine Imbisbude. An einem kleinen quadratischen Tischchen sind zwei Stühle so eng hingequetscht, dass man sich kaum bewegen kann und wenn man die Stühle etwas auseinander stellt, ist der Weg zur Toilette versperrt. Als ein eintrete, sitzen an einem Tisch zwei Japanerinnen, an weiteren Tischen eine einzelne junge Frau mit Kopftuch und eine weitere einzelne Japanerin. Ich setze mich und dann passiert eine ganze Weile lang erstmal gar nichts. Zwei Franzosen treten ein, setzen sich und mich hat man immer noch nicht als potentiell zahlenden Kunden wahrgenommen. Bin ich unsichtbar? Spielautomaten düdeln, genau über mir hängt ein Fernseher, da läuft ein Musiksender. Ich stehe auf und frage nach der Speisekarte. Für zehn Euro gibt es Pizza Margarita, aufgetaut aus der Tiefkühltruhe, und dazu ein winzigkleines Bier und einen passablen Espresso. Das Klo ist erstaunlich sauber, mit winzigem, vergittertem Fensterchen, das Gitter ist solide aus Eisen geschmiedet. Ich lege meinen Zehneuroschein auf den Tresen und gehe…

Auf der Giudecca

Vom Bahnhof will ich bis zum hinteren Ufer des Dorsoduro um auf die Giudecca überzusetzen. Aber ich verlaufe mich in den Gässchen und Kanälen. Hier ist alles nur romantisch, wunderschön. Das Wetter ist kühl, der Himmel bedeckt und man könnte sich auch vorstellen, in Holland oder Belgien zu sein.
Ich gelange zur Piazza Santa Margarita. Ein wunderschöner großer Platz. In jedem anderen Ort wäre so etwas der größte und wichtigste Platz, hier ist es halt einer von vielen Plätzen. Ich esse ein Stück Pizza auf einer der Bänke in der Mitte des Platzes. Jetzt noch einen Kaffee? Nein, ich will weiter, zur nächsten Piazza und gelange in eine sehr ruhige Wohngegend. Der Charakter der Gegend ändert sich: Wohnblocks mit gepflasterten Höfen, hier und dort auch kleine Grünflächen…. und irgendwo hinten am Ende der Straße stehen sogar Autos.
Seit fünf, sechs Stunden laufe ich durch diese Stadt und bin immer noch dabei, hinter jeder Ecke etwas neues zu Entdecken: das ist das Verrückte an dieser Stadt, hinter jeder Ecke IST auch etwas Neues. Okay, kann man sagen, irgendwann ist es halt doch irgendwie das gleiche: romantische Gässchen, Kanäle, Boote und alte Fassaden. Außerdem je nachdem, wo man sich gerade befindet ein Haufen Touristen mit Kameras – so wie ich – und bunte Touristenläden und Lokale mit Speisekarte auf Englisch, oder, die Steigerung davon, Fotos von den wichtigsten Gerichten im Fenster.
Auf den Vaporettos stinkt es penetrant nach Dieselqualm – jedenfalls wenn man sich für die Aussichts-Plätze draußen auf der hinteren Plattform entscheidet. Drinnen stinkt es nicht nach Diesel, aber da sieht man auch nicht so viel durch die beschlagenen Scheiben… Ach ja, und dann geht man eine Straße lang, biegt um eine Ecke und steht plötzlich vor einem Kanal, wo es rechts und links nicht mehr weitergeht, sagt einem ja keiner…
Ja, und dann geht man zurück, um eine weitere Ecke und dann ist da wieder so ein herrlicher Platz mit schönen alten Häusern, der einen oder anderen Kirche, dem einen oder anderen berühmten Gebäude, vielleicht auch ein Denkmal oder so….
Ach, ist das anstrengend!
Ich bin in der Nähe der Piazzale Roma, nehme das nächste Boot in östliche Richtung, nach Zattere, steige um und setze auf die Giudecca über. Da ist eine lange, durchgehende Uferstraße, eine Seitenstraße mit Wohnhäusern, niedrige Gebäude, wieder ganz anderer Charakter, auch Neubauten dazwischen… man gelangt bis auf das Gegenufer, dann finde ich dieses Cafe, ordere einen Cappuccino und ein Croissant.
Ich schaue mich um: Ich bin tatsächlich der einzige Tourist. Außer mir sind da nur Familien mit Kindern und ein Hund, der ständig nach draußen will und entwischt, sobald jemand die Türe öffnet. Vorhin hat ein alter Mann Klavier gespielt. Aber jetzt ist er wieder gegangen und aus der kleinen Anlage in der Ecke dudelt in gemäßigter Lautsträrke Achtzigerjahremusik… diesmal die richtige Achtzigerjahremusik!

Acqua alta in Venedig

Abends noch ein ganz kurzer Spaziergang. Der Regen hat aufgehört. Unten auf der Gasse sind zwei Besoffene. Der Markusplatz steht zwar nicht unter Wasser, aber auf der Mitte des Platzes sind sehr, sehr ausgedehnte Pfützen… sagen wir, vielleicht ein Viertel bis ein Drittel des Platzes sind so tief unter Wasser, dass man, wenn man mit gewöhnlichen Schuhen unterwegs ist, nasse Füße bekommt. Und ein Trupp von der Stadtverwaltung ist unterwegs, Laufstege aufzubauen…. auf den wichtigsten Strecken sind schon welche.
Später, als das Wasser abgelaufen ist, sind sie ruck-zuck wieder verschwunden.

Vom Fondamente Novo nach Murano

Ich will zum Fondamente Novo. Wenn man ein Ziel hat, dann ist das mit all den verwinkelten Gassen eher hinderlich. Manchmal enden die Gassen nämlich ganz unvermittelt an einem Kanal, was dann zwar oft ein pittoreskes Fotomotiv ist, mich dem Ziel aber nicht näher bringt. Rialto ist ausgeschildert und ich lande prompt dort, bin überrascht, wie schnell das geht, viel schneller als mit dem Vaporetto.
Ich schlage mich durch. Am Fondamente Novo dann Blumengeschäfte und Bestattungsunternehmer: die Friedhofsinsel ist genau einen Vaporetto-Stop entfernt.
Ich nehme das nächste Boot nach Murano… dunstig-gelbliches Gegenlicht auf Venedig. Vor dem Stadtverwaltungs-Palazzo eine kleine Piazza mit Turm und imposanter Glasskulptur davor. Die Glaswerkstätten bieten herrliche Stücke zum Kauf an. Die haben natürlich ihren Preis…

Venedig: Sonnenuntergang auf dem Lido

Der Lido ist meines Wissen eine schmale Landzunge, welche die Lagune vom Mittelmeer trennt… und doch laufe ich kilometerlang an Häusern und Villen vorbei, entlang eines Wasserlaufes, der ja…. den Lido der Länge nach durchquert? Wie komme ich hier zum Strand? Was für eine Situation: Ich bin auf dem Lido und finde den Lido nicht – würde ich jemanden nach dem Weg fragen, dann müsste man mich wohl für verrückt erklären!
Schließlich höre ich Wellenrauschen. Und finde eine Brücke. Und letztendlich dann auch den Strand.
Winterlich eingemottete Strandkörbe. Ein paar einsame Spaziergänger. Jugendliche. Wellen. Goldener Sonnenuntergang. Ein fliegender Händler will mir irgendwelche Tücher andrehen, breitet aus hundert Metern Entfernung seine Arme aus, an denen hunderte von Tüchern hängen… ich winke ab, er wendet sich der nächsten potentiellen Kundin zu.

Venedig: zwischen Rialto und Markusplatz

Das Hotel habe ich gefunden, das Hotel ist okay.
Aber ich bin nicht in Venedig, um mich in Hotelzimmern aufzuhalten… also duschen, umziehen und raus!
Das Schöne an Venedig ist, dass man sich einfach verlaufen muss. Es geht gar nicht anders. Natürlich kann man sich einen Stadtplan nehmen und versuchen, sich anhand von Straßennamen und markanten Punkten zu orientieren… aber man verläuft sich trotzdem, also besser ist, man verzichtet von vorne herein auf den Stadtplan und geht einfach los, irgendwo wird man schon ankommen.
Es gibt Gassen und Gässchen und Kanäle und Brücken und die Gassen sind manchmal kaum zwei Meter breit, führen durch Häuser durch und enden unvermittelt am nächsten Kanal. So ist das halt.
Ab und zu sind an Hauswänden Hinweispfeile angemalt: Zur Rialtobrücke, zum Markusplatz. Irgendwann stehe ich an der Rialtobrücke. Nachdem ich die üblichen Photos gemacht habe, steige ich in das nächste Vaporetto und setze mich nach hinten, auf die hintere Außenplatform, setze eine Sonnenbrille auf und schaue den beiden hübschen, elegant gekleideten Italienerinnen beim Smalltalk zu. Am Markusplatz steige ich aus, flaniere am Ufer entlang, mache Photos und steige in das nächste Vaporetto. Das fährt zum Lido. Fahre ich halt zum Lido, warum nicht?

Von Triest nach Venedig

Venedig St. Lucia, der Zug endet hier. Ich steige aus und bin ein wenig nervös.
Der Bahnhof ist ein Bahnhof ist ein Bahnhof. Ein Bahnhof, wie es viele gibt. Vor der Bahnhofshalle ein paar Stufen, ein kleiner Platz… und dahinter Wasser.
Wasser. Blauer Himmel. Ich bin in Venedig. Und fast automatisch, ohne dass ich etwas dagegen tun kann, greife ich zur Kamera und schieße mein erstes Bild: die Kirche auf der anderen Seite des Kanals, mit ein paar Booten davor. Ich bin in Venedig.
An der Bootshaltestelle gibt es ein Kassenhäuschen. Da sind die Ticketpreise angeschlagen. Ich schaue auf die Tafel und dann auf die Dame auf der anderen Seite des Schalters, die meinen Blick erwidert, als wolle sie…. als teile sie mein Entsetzen, zumindest eine Sekunde lang….? oder will sie mir schulterzuckend sagen, so ist das halt, die Preise sind, wie sie sind, schließlich sind wir hier in Venedig, und da ist nunmal alles ein wenig teuer!
Ich kaufe ein Dreitagesticket und dann kommt auch schon das Boot. Ich steige ein und langsam tuckern wir den Canal Grande entlang. Und es ist… wie ein Film… Paläste, Boote und Gondeln… und strahlend blauer Himmel und goldenes Winternachmittagslicht und fast automatisch, ohne dass ich etwas dagegen tun kann hole ich erneut meine Kamera hervor….