Grant Museum of Zoology am University College London

Hier gibt’s sogar Meerjungfrauen! Aber jetzt erstmal von vorn:
Man betritt einen holzgetäfelten Raum mit einer umlaufenden Galerie und hohen schmalen Fenstern – ganz so, wie man sich eine englische Bibliothek vorstellt. Allerdings gibt es hier keine Bücher. Der Raum ist vollgestellt mit Schränken und Vitrinen in allen Größen. Darin sind Tiere. Große Tiere, kleine Tiere, winzige Tiere… ausgestopft, getrocknet, in Spiritus eingelegt. Tot sind sie, allesamt. Manche sogar ausgestorben. Aber vor dem Aussterben hat irgendjemand noch fix ein Exemplar eingefangen und hierher gebracht.
Da steht ein riesengroßes Glas voller Eidechsen. Nebenan eine Ladung Skorpione in allen Größen. Mit einem Schild dran: Je größer die Scheren, desto harmloser die Stachel, hütet Euch vor den Skorpionen, die nur winzige Scheren haben!
Und dann ist da dieses Viech… was auch immer es ist, es hat eine Art Fischschwanz, aber es ist kein Fisch, es ist eine seltene Robben- oder Delfinart, die in Ostasien vorkommt und von Seeleuten für eine Meerjungfrau gehalten wurde.
Wunderschön ist die Sammlung von mikroskopischen Präparaten – winzige Würmer, in Scheiben geschnitten, gefärbt und auf Objektträger gezogen und mit eher dürftigen Kommentaren versehen, in der Menge wirken sie wie ein surreales Kunstwerk….
Das Museum befindet sich im Gebäude der medizinischen Fakultät (Medical School) des University College London, Adresse: Grant Museum of Zoology, Rockefeller Building, 21 University Street, London WC1E 6DE. Öffnungszeiten: Montags bis Samstags 13:00 bis 17:00 Uhr, Eintritt kostenlos

Der mumifizierte Professor: „present, but not voting!“

Jeremy Bentham wohnt in einem Schrank mitten im Hauptgebäude des University College. Er wohnt immer noch dort, obwohl er schon über hundertachtzig Jahre lang tot ist.
Zu Lebzeiten war er ein hoch angesehener, wenn auch sehr umstrittener Philosoph.
Er galt als Vorkämpfer für die Demokratie, trat ein gegen die Todesstrafe und für das Frauenstimmrecht und die Pressefreiheit, machte sich damit aber nicht nur Freunde. Sein Zeitgenosse Goethe bezeichnete in als „Narren“ und Karl Marx fand noch deutlichere Worte.
Nach seinem Tod setzte man ihn auf einem Stuhl in eine Vitrine von der Größe einer Telefonzelle – und da sitzt er bis heute, mit Spazierstock und Hut. Genau genommen sitzen dort nur seine Knochen, die man mit Stroh ausgestopft in die Kleidung gesteckt hat. Der Kopf wurde aus Wachs modelliert.
Zu besonderen Gelegenheiten wird der tote Herr Professor aus seinem Schrank geholt und bei einer wichtigen Versammlung mit an den Tisch gesetzt – im Protokoll vermerkt man dann, dass er zwar anwesend ist, sich aber aus naheliegenden Gründen nicht an den Abstimmungen beteiligen wird. Wobei das wahrscheinlich auch bloß eine schöne Legende ist…

Das Hauptgebäude des University College London (UCL) ist nicht schwer zu finden: Von der Gower Street (nur einen Steinwurf von der Euston Station) führt eine kleine Stichstraße in den weitläufigen Innenhof mit dem kumpelgekrönten Hauptgebäude. Man tritt durch den Portiko in die Eingangshalle und folgt den Beschilderungen oder fragt sich durch. Adresse: University College London, Gower Street, London WC1E 6BT