London für Einsteiger: der Basis-Spaziergang

  • Der Piccadilly Circus ist der Mittelpunkt Londons und London ist bekanntlich der Mittelpunkt der Welt. Also beginnt der Spaziergang hier.
    DO:
    Auf die Stufen des Denkmals setzen und einfach mal schauen, was hier so los ist… und dabei einen Pappbecher-Kaffee aus einem der umliegenden Fast-Food Läden trinken
    DONT:
    Sich irgendwelche Sachen andrehen lassen, vor allem nicht irgendwelche angeblich vergünstigten Tickets für irgendwas oder in den Souvenirläden und -Ständen irgendwelchen überteuerten Souvenirkitsch kaufen
  • Vom Piccadilly Circus aus geht man über den Leicester Square – hier ist das Epizentrum des touristischen Nachtlebens mit mehreren Großkinos und diversen überteuerten Kneipen und Restaurants (Kinos, Theater, Kneipen, Discos…. aber: schweineteuer überteuert und voller Touristen) – zum Trafalgar Square. Da gibt’s fotografierende Touristen, Tauben und Architektur zu bestaunen.
    DO:
    Schauen, treiben lassen, Augen offen halten…
    Den Vierten Sockel am Trafalgar Square anschauen (googlen: „The Fourth Plinth‟)
    Den unscheinbaren Mini-Kreisverkehr Charing Cross (nicht Charing Cross Station!) hinter dem Trafalgar Square anschauen, da gibt’s nichts zu sehen, aber das ist der offizielle Mittelpunkt von London. Warum wohl?
    Ein Bier im zentralsten Pub Londons trinken (egal zu welcher Tageszeit)
    Die National Gallery (Kunstmuseum) ist kostenlos, sehenswert und riesig – einen kurzen Blick hineinzuwerfen (mal kurz bei Picasso und Van Gogh vorbeischauen…) lohnt sich.
    Die Kirche St. Martin in The Fields lohnt auch einen Besuch. Und dann gibt’s noch die National Portrait Gallery (kostenlos!)
    DONT:
    Irgendwas kaufen – vor allem keinen überteuerten Souvenirkitsch!
    Am Leicester Square oder in der Nähe essen gehen oder in den Tourie-Bars etwas trinken – einfach nur zu teuer!
  • Weiter geht’s: Vom Trafalgar Square durch den Admirality Arch in den St. James‘ Park
    Im Park die Mall („The Mall‟) entlang – die führt direkt auf den Buckingham Palace zu. Den kann man anschauen, muss man aber nicht.
    Besser: Auf der Höhe des St. James‘ Palace nach rechts abbiegen. Entlang der „Pall Mall‟ befinden sich die legendären Gentlemen’s Clubs (wie bei Phileas Fogg aus „In 80 Tagen durch die Welt‟).
    Durch das Viertel St. James zum St. James‘ Square und von dort zur Piccadilly Street und zum Piccadilly Circus zurück.
  • Der etwas erweiterte Basis-Spaziergang durch Zentral-London:
    Vom Trafalgar Square durch den Admirality Arch in den St. James‘ Park, dann nach links abbiegen,
    hier sehenswert:
    Horse Guards (Ja, die stehen da halt so herum)
    Kurzer Abstecher zur Downing Street No. 10 (Ist allerdings abgesperrt)
    Weiter zur Westminster Abbey, die kostet allerdings Eintritt. Sehr teuer! Die Teilnahme an Gottesdiensten ist allerdings kostenlos. Oft gibt es gegen ca. 17:00 Uhr oder so eine kurze und sehr schöne Abendandacht („Even Song‟), Nebenan liegen Westminster Palace (Parlament) und Big Ben.
  • Von dort über die Brücke – da die obligatorischen Photos und Selfie machen.
    Unmittelbar hinter der Brücke nach links abbiegen, am Ufer entlang, am Riesenrad vorbei – hier schöner Blick auf Big Ben & Co – bis zur Eisenbahnbrücke. Dort wieder auf die andere Flussseite wechseln, am Bahnhof Charing Cross vorbei zum Trafalgar Square zurück.
  • Erweiterter langer Spaziergang – lohnt sich, dauert aber ca. 1-2 Stunden
    Trafalgar Square, Charing Cross, Eisenbahnbrücke, von da aus flussabwärts. Da hat man einen schönen Blick auf die Stadt. Der Weg ist ganz nett, es gibt unterwegs Kneipen, Cafés, Straßenmusiker, alles Mögliche.
    Nach einer Weile gelangt man zum Tate Modern Museum (moderne Kunst, riesige Halle – kann man anschauen, muss man nicht gesehen haben). Dort führt die Millenium Bridge (Fußgängerbrücke) aufs andere Ufer direkt zur St. Paul’s Cathedral mitten im Bankenviertel. Kirche kostet wieder Eintritt, muss man von innen nicht gesehen haben.
    Dann wieder über die Millenium Bridge zurück zur Tate Modern und weiter flussabwärts durch das Viertel Southwark (zwischendurch mal enge Gässchen), zum Borough Market (leckere Fressstände – gute Verpflegungsoption, für Londoner Verhältnisse moderate Preise) und dann wieder am Ufer entlang zur Tower Bridge.
  • Weitere Sehenswürdigkeiten, die zentral liegen und keinen Eintritt kosten (mit Bus und/oder U-Bahn gut zu erreichen. Tipp: wenn möglich lieber den Bus nehmen):
    • Sloane House – eine Art Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert oder so mit Original-Inneneinrichtung, gehörte einem sehr verschrobenen Tüftler. Sehenswert!
      British Museum – Ägyptische Mumien, griechische Statuen und so altes Zeug. Riesengroß!
    • Anstatt Riesenrad: die Seilbahn über die Themse (bei der U-Bahn Station North Greenwich)
    • Camden Market – riesengroßer Flohmarkt (nicht nur Flohmarkt), da kann man locker ein paar Stunden verbringen.
    • Brick Lane: das Viertel der Einwanderer aus Bangladesch (Straßenschilder zweisprachig…. Lokale, Läden, Cafés, Märkte…) – mein absolutes Lieblingsviertel!

London für Einsteiger

London ist spannend. London hat mehr Einwohner als manches Land. London ist eine eigene Welt.
Aber London ist teuer… nicht bloß teuer, sondern sauteuer!
Dennoch: man kann die Stadt genießen, ohne dabei arm zu werden. Dabei gibt es allerdings ein paar Grundsätze, die man beherzigen sollte:

  • Erstens: Alles, was Eintritt kostet, ist in der Regel für unsere Begriffe exorbitant teuer. Seit einigen Jahren sind auch die großen Kirchen eintrittspflichtig. Manche Dinge lohnen sich dennoch (z.B. Tower of London, Kew Gardens, Westminster Abbey…), Vieles sind Touristenfallen, die man sich auch sparen kann. Ich war noch nie bei Madame Tussaud und auch nicht in den London Dungeons. Viele Dinge – darunter viele großartige Museen hingegen sind kostenlos (z.B. das British Museum, die National Gallery, das Tate Modern…).
  • Zweitens: Es gibt in London wirklich guter Restaurants. Sogar ziemlich viele. Alle sind sie exorbitant teuer. Es gibt auch günstige Restaurants (z.B. indische / bengalische Restaurants in der Brick Lane) – aber die sind nicht leicht zu finden. Wer ungeduldig ist, ist mit Fish and Chips, indischem und chinesischem Takeaway oder Supermärkten besser bedient…
  • Drittens: Spaziergänge kosten nichts. .. und sind mehr als spannend!

Hier die Basis-Tipps:

…und hier ein paar Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten, die man nicht in jedem Reiseführer findet

London für Einsteiger: Herumkommen (Erste Grundlektion für das Nutzen von Bus und Bahn)

Ein allererster Tipp: Auch wenn London riesengroß ist – die Innenstadt ist erstaunlich kompakt, viele Sehenswürdigkeiten lassen sich zu Fuß erkunden und es gibt viele spannende „Walking Tours‟. Aber davon später.
Wer in London von A nach B kommen will, hat die Qual der Wahl. Es gibt Taxi, Bus, U-Bahn und Zug. Einige Vorort-Bahnlinien mit dichter Zugfolge haben eine gewisse Ähnlichkeit mit S-Bahn Linien (z.B. – aber nicht nur – das „Overground Network‟). Außerdem gibt es noch Leihfahrräder, Fahrrad-Rikschas, eine Straßenbahn, Ausflugsboote auf der Themse und auf den Kanälen und sogar eine Seilbahn. Aber davon später.
Alle öffentlichen Verkehrsmittel gehören zu „Transport for London‟ (TfL).
Tickets bekommt man beim Busfahrer und an den Fahrkartenautomaten und (wenigen) Schaltern an den U-Bahn-Stationen und Bahnhöfen. Bei der U-Bahn und bei den Vorortzügen wird der Zugang zu den Bahnsteigen durch Schranken geregelt. Hinein kommt man nur mit Ticket. Innerhalb des „kontrollierten Bereichs‟ kann man dann, wenn nötig, umsteigen, beim Ausgang aus dem Bahnhof wird das Ticket wieder kontrolliert. Schwarzfahren ist also so gut wie unmöglich. Bei Bussen muss für jede Fahrt ein neues Ticket gelöst werden, es ist also sinnvoll, möglichst selten umzusteigen.
Die Preise für Einzelfahrscheine wurden in den vergangenen Jahren fast prohibitiv erhöht. Wer also heutzutage beim Busfahrer oder am U-Bahn-Automaten ein Einzelticket löst, zahlt viel mehr – fast doppelt so viel – wie nötig.
Eigentlich jeder, der die öffentlichen Verkehrsmittel in London nutzt, besitzt (mindestens) eine „Oyster Card‟. Das ist eine mit einem Chip versehene Plastikkarte, auf die man einen beliebigen Geldbetrag „aufladen‟ kann. Die Karte muss vor jeder Bus- und Bahnfahrt an die gelben Lesegeräte gehalten werden – und zwar, ganz wichtig – bei U-Bahn und Zug auch beim Aussteigen (bei Bussen reicht es, die Karte beim Einsteigen vorzuzeigen). So wird bei jeder Fahrt der entsprechende Betrag automatisch abgebucht („Touch in – touch out‟). Vorsicht: vor allem bei außerhalb gelegenen Stationen gibt es beim Ausgang keine Sperren. Das verleitet dazu, einfach so hindurch zu marschieren. Das aber ist fatal: dann wird auf der „Oyster Card‟ ein Maximalbetrag – eine Art Strafgebühr – abgebucht. Also: beim Aussteigen darauf achten, die Karte an das gelbe Lesegerät zu halten.
Die „Oyster Card‟ bekommt man in den U-Bahn Stationen an entsprechenden Automaten für 5 GBP, wobei dieser Betrag – rein theoretisch – auch bei Rückgabe der Karte (am Schalter) zurückerstattet wird. Das Aufladen geht an den Automaten entweder mit Bargeld, Kreditkarte oder Bankkarte (deutsche Bankkarten funktionieren nicht immer, Kreditkarten in der Regel schon).
Gute Nachricht für Leute, die viel unterwegs sind: pro Tag wird nur ein Maximalbetrag – vergleichbar mit den Kosten für ein „Tagesticket‟ (welches es am Automaten immer noch gibt) abgebucht.

London für Einsteiger: Hinkommen und Ankommen

Hinkommen ist das geringste Problem!

  • Mit dem Flugzeug
    Heutzutage dürfte es von so ziemlich jedem deutschen Regionalflughafen eine Billigflug-Verbindung nach London geben. Die Preise sind generell, aber nicht immer um so niedriger, je früher man bucht und beliebte Reisetage sind rasch ausgebucht (zumindest was erschwingliche Ticketpreise angeht) und der Erfindungsreichtum der Airlines in Bezug auf Extragebühren für Gepäck, Sitzplatzreservierung oder Verpflegung an Bord ist immens. Die billigsten Tickets haben oft furchtbare Abflug- oder Ankunftszeiten. Wie man es schaffen will, um vier Uhr früh rechtzeitig zum Check-In an irgendeinem Provinzflughafen zu stehen, muss jeder selbst wissen. Oder halt doch bereit sein, etwas mehr zu zahlen um den ersten Zug oder Bus nehmen zu können. Man sollte auch darüber nachdenken, wann und vor allem wo man ankommt…
    Ankommen
    London hat fünf Flughäfen:
    Heathrow, der Größte und Bekannteste liegt im Westen und am Ende einer U-Bahn-Linie, der Piccadilly Line. Mit der U-Bahn („Tube‟) braucht man eine gute Stunde – oder besser eineinhalb – bis in die Innenstadt. Dies ist definitiv auch die Billigste Variante um in die Stadt zu kommen. Die Teurere ist der Heathrow Express, ein Zug der zur Paddington Station (am Westrand der Innenstadt) fährt. Von dort muss man dann mit U-Bahn und Bus weiter, was im Endeffekt dann womöglich auch nicht unbedingt viel schneller ist als mit der Piccadilly Line. Heathrow hat fünf Terminals, die weit auseinanderliegen, und drei UBahn-Stationen, beim Rückweg also vorher darauf achten, von wo der Flieger abfliegt!
    Gatwick, die zweitgrößte Flughafen liegt ziemlich weit außerhalb im Süden und ist mit der Bahn z.B. von Victoria Station zu erreichen (Der Schnellzug Gatwick Express braucht eine Viertelstunde, der günstigere Regionalzug wesentlich länger).
    Luton Airport liegt im Nordwesten, noch weiter außerhalb, und hat keinen direkten Bahnanschluss, von der nächstgelegenen Bahnstation muss man in einen Bus umsteigen, für die An- und Abreise also reichlich Zeit einplanen!
    Stansted Airport liegt im Nordosten. Hier kommen die meisten Billigflieger an. Stansted ist mit der Bahn erreichbar. Der Stansted Express fährt regelmäßig – zeitweise jede Viertelstunde – und braucht bis zur Liverpool Street Station am Ostrand der Innenstadt eine Dreiviertelstunde – manchmal auch länger. Die Tickets sind nicht billig. Die billigere, aber vor allem tagsüber viel langwierigere Alternative ist der Bus. Züge und Busse fahren rund um die Uhr, nachts natürlich weniger häufig. Aber es ist möglich, um drei Uhr früh nach Stansted zu fahren, wenn man um vier Uhr einchecken muss! Alternative: für die letzte Nacht eine Hotelunterkunft am Flughafen buchen. Die Auswahl dort ist eingeschränkt und nicht billig, aber unter Umständen günstiger als in der Londoner Innenstadt.
    Der City-Airport liegt – anders als der Name vermuten mag natürlich nicht direkt in der Innenstadt, ist aber von allen Flughäfen der am Nächsten Gelegene und auch der Kleinste. Die Zeitersparnis gegenüber Heathrow oder Stansted kann beträchtlich sein – was aber vor allem daran liegt, dass aufgrund des deutlich geringeren Passagieraufkommes die Abfertigung viel schneller geht. Das hat natürlich seinen Preis! Mit der Docklands Light Railway erreicht man die Innenstadt – wenn man Glück hat – in einer halben Stunde.
  • Mit der Bahn
    Mit ICE oder Thalys und Eurostar ist man von Köln aus in fünfeinhalb Stunden in London (mit Umsteigen in Brüssel) und kommt direkt am Bahnhof St. Pancras am Nordrand der Innenstadt an. Die Tickets sind in der Regel etwas teurer als die Billigflieger. Auch wenn die Deutsche Bahn ausschließlich Tickets für die Brüssel-Route verkauft, lohnt sich von Frankfurt oder Süddeutschland lohnt sich unter Umständen auch die Fahrt über Paris.
    Auf der Webseite oder in Reisezentren der Deutschen Bahn bekommt man durchgehende Tickets von jedem deutschen Bahnhof – aber ausschließlich für die Brüssel-Route und auch nur Verbindungen, bei denen für die Strecke nach Brüssel ein deutscher ICE genutzt wird.
    Der Thalys von Köln nach Brüssel lässt sich nur über die eigene Webseite buchen.
    Tickets von London nach Brüssel, die bei Eurostar direkt (z.B. über die eigene Webseite) gebucht werden, gelten auch ohne Aufpreis für die Anschlussfahrt zu jedem Bahnhof innerhalb von Belgien (aber nicht im Thalys oder ICE), man kommt also bis kurz vor Aachen
  • Mit dem Bus
    Auch wenn sie in Zeiten von Billigfliegern kaum noch eine Rolle spielen: es gibt sie noch, die Fernbusverbindungen, die von Kön oder Frankfurt über Nacht nach London fahren. Ankunft in der Victoria Coach Station am südwestlichen Ende der Innenstadt.
  • Mit dem Auto via Fähre oder Tunnel
    Auch für Fährtickets gilt: je früher gebucht, desto günstiger. Am besten online bei den Fährgesellschaften direkt oder bei entsprechenden Anbietern.
    In der Regel kommt man in Dover an. Von dort aus führen die Autobahn M20 (in westliche Richtung) und die Schnellstraße A2 / M2 (direkt nach Norden) nach London. In beiden Fällen landet man auf der M25, der Ringautobahn, die komplett einmal um London herum führt. Von Einheimischen wie Reisenden verhasst („Längster Parkplatz des Landes!‟) ist die M25 aber im Allgemeinen besser als ihr Ruf. Im Berufsverkehr – montags bis freitags von sieben bis neun und von sechzehn bis neunzehn Uhr – muss natürlich mit langen Staus gerechnet werden, vor allem im Osten in der Nähe der Themse-Querung (Dartford Crossing) und im Westen in der Nähe von Heathrow Airport.
    Innerhalb des Autobahnrings einen Parkplatz zu finden, auf dem man seinen Wagen halbwegs sicher für die Dauer des London-Aufenthaltes stehen lassen kann, ist eine Herausforderung. Am besten den nächsten Bahnhof ansteuern und mit der Bahn weiterfahren! Größere Bahnhöfe haben in der Regel gebührenpflichtige Parkplätze, auf denen man auch länger stehen kann. Auch weit draußen kann es schwierig sein, eine ruhige Wohnstraße ohne Parkverbot oder Anwohner-Parkzone zu finden. Außerhalb gelegene Hotels bieten möglicherweise manchmal (meist gegen Aufpreis) Parkplätze an – wer darauf angewiesen ist, sollte dies aber unbedingt vor der Ankunft, am besten gleich bei der Buchung klären! Wenn man das Glück hat, einen Parkplatz gefunden zu haben, sollte man tunlichst mit Bus und Bahn weiterfahren!

Holzklasse im Eurostar

Draußen ist noch Landschaft. Braune, manchmal grüne Wiesen, kahle Bäume, eintönig-weiss-langweiliger Himmel. Auf den Sitzen vor mir eine Vierergruppe von jungen männlichen flämischen Belgiern, die pausenlos auf flämisch reden und lachen, neben mir ein misantropischer älterer männlicher flämischer Belgier, der in einem flämischen Buch liest und mit mir um die Armlehne kämpft. Irgendwo ist ein Zweiersitz frei, aber man traut sich nicht, dort zu sitzen. Könnte ja belegt sein. Stattdessen also eingezwängt zwischen Rucksack und Ellbogen des Nachbarn. Ich versuche, die Füße irgendwo unterzubringen. Zwischen Brüssel und Lille kann ich ein wenig lesen, döse dann an Lille vorbei und werde wach: wo sind wir? Ist das schon England? Flache Landschaft, Felder, sogar Wäldchen und welliges Land…. die Häuser? Grob klotzig. Nein, das muss noch Frankreich sein. Ist es auch, irgendwann kommt die Bahnhofs- und Autoverladeanlage von Calais und dann der Tunnel, ich mache die Augen wieder zu, gibt ja eh nix zu sehen draußen.
Als ich wieder wach werde, bin ich in England. Früher haben sie da immer Ansagen gemacht: Hallo, liebe Leute, jetzt kommt der Tunnel! Und dann: Hallo, liebe Leute, der Tunnel ist vorbei. Als ob man das nicht sehen könnte. Deshalb kommen jetzt auch keine Ansagen mehr, erst kurz vor Ankuft in St. Pancras wird viersprachig verkündet, dass wir jetzt gleich da sind. Leute stehen auf, als ob man so früher rauskäme, dabei steht man nachher vor den Rolltreppen eh in der Schlange

Grant Museum of Zoology am University College London

Hier gibt’s sogar Meerjungfrauen! Aber jetzt erstmal von vorn:
Man betritt einen holzgetäfelten Raum mit einer umlaufenden Galerie und hohen schmalen Fenstern – ganz so, wie man sich eine englische Bibliothek vorstellt. Allerdings gibt es hier keine Bücher. Der Raum ist vollgestellt mit Schränken und Vitrinen in allen Größen. Darin sind Tiere. Große Tiere, kleine Tiere, winzige Tiere… ausgestopft, getrocknet, in Spiritus eingelegt. Tot sind sie, allesamt. Manche sogar ausgestorben. Aber vor dem Aussterben hat irgendjemand noch fix ein Exemplar eingefangen und hierher gebracht.
Da steht ein riesengroßes Glas voller Eidechsen. Nebenan eine Ladung Skorpione in allen Größen. Mit einem Schild dran: Je größer die Scheren, desto harmloser die Stachel, hütet Euch vor den Skorpionen, die nur winzige Scheren haben!
Und dann ist da dieses Viech… was auch immer es ist, es hat eine Art Fischschwanz, aber es ist kein Fisch, es ist eine seltene Robben- oder Delfinart, die in Ostasien vorkommt und von Seeleuten für eine Meerjungfrau gehalten wurde.
Wunderschön ist die Sammlung von mikroskopischen Präparaten – winzige Würmer, in Scheiben geschnitten, gefärbt und auf Objektträger gezogen und mit eher dürftigen Kommentaren versehen, in der Menge wirken sie wie ein surreales Kunstwerk….
Das Museum befindet sich im Gebäude der medizinischen Fakultät (Medical School) des University College London, Adresse: Grant Museum of Zoology, Rockefeller Building, 21 University Street, London WC1E 6DE. Öffnungszeiten: Montags bis Samstags 13:00 bis 17:00 Uhr, Eintritt kostenlos

Der mumifizierte Professor: „present, but not voting!“

Jeremy Bentham wohnt in einem Schrank mitten im Hauptgebäude des University College. Er wohnt immer noch dort, obwohl er schon über hundertachtzig Jahre lang tot ist.
Zu Lebzeiten war er ein hoch angesehener, wenn auch sehr umstrittener Philosoph.
Er galt als Vorkämpfer für die Demokratie, trat ein gegen die Todesstrafe und für das Frauenstimmrecht und die Pressefreiheit, machte sich damit aber nicht nur Freunde. Sein Zeitgenosse Goethe bezeichnete in als „Narren“ und Karl Marx fand noch deutlichere Worte.
Nach seinem Tod setzte man ihn auf einem Stuhl in eine Vitrine von der Größe einer Telefonzelle – und da sitzt er bis heute, mit Spazierstock und Hut. Genau genommen sitzen dort nur seine Knochen, die man mit Stroh ausgestopft in die Kleidung gesteckt hat. Der Kopf wurde aus Wachs modelliert.
Zu besonderen Gelegenheiten wird der tote Herr Professor aus seinem Schrank geholt und bei einer wichtigen Versammlung mit an den Tisch gesetzt – im Protokoll vermerkt man dann, dass er zwar anwesend ist, sich aber aus naheliegenden Gründen nicht an den Abstimmungen beteiligen wird. Wobei das wahrscheinlich auch bloß eine schöne Legende ist…

Das Hauptgebäude des University College London (UCL) ist nicht schwer zu finden: Von der Gower Street (nur einen Steinwurf von der Euston Station) führt eine kleine Stichstraße in den weitläufigen Innenhof mit dem kumpelgekrönten Hauptgebäude. Man tritt durch den Portiko in die Eingangshalle und folgt den Beschilderungen oder fragt sich durch. Adresse: University College London, Gower Street, London WC1E 6BT

Waterloo Station, London

Einmal nach Waterloo bitte, zurück morgen.
Waterloo. Mir klingt immer noch dieser uralte „Abba“-Song im Ohr, den sie gestern auf der Party immer wieder und wieder gespielt haben.
Waterloo ist ein anständiger Bahnhof. Bei der Einfahrt kann man linker Hand ab und zu zwischen den Hochhäusern den Fluß durchschimmern sehen, ab und zu auch das Parlament und Big Ben und natürlich die jüngste Attraktion dieser Stadt, das Riesenrad, das größte Europas und zweitgrößte der Welt. Mit den Rekorden ist das natürlich so eine Sache, es wird bestimmt nicht lange dauern, bis irgendein fernöstlicher oder amerikanischer Großmogul ein größeres baut.
Kurz bevor der Zug dann zum Stillstand kommt taucht linker Hand jene hypermoderne bläuliche Hallenkonstruktion auf, die dem Bahnhof das Attribut „International“ verleiht, worauf man hierzulande mächtig stolz ist.
Immerhin, die Gepäckwägelchen nehmen auch französische und belgische Münzen. Und rücken sie wie es sich gehört nach Gebrauch wieder raus, wir sind ja schließlich nicht in Deutschland.
Ich durchquere die Bahnhofshalle – großzügig, wie es sich gehört, mit den üblichen Cafés und Zeitungsläden, der Geruch der großen Weiten Welt, der solchen Orten immer innewohnt – und suche dann zielstrebig den Eingang in die Unterwelt.
Eine Besonderheit von Waterloo ist, daß es keinen nennenswerten Bahnhofsvorplatz gibt. Dort, wo man einen solchen erwarten würde, schrammt in luftiger Höhe auf ihrem Viadukt eine weitere Bahnlinie gerade knapp an der Außenfassade des Hauptgebäudes vorbei, zu ihren Füßen ein unübersichtliches Gewirr aus mehrspurigen Schnellstraßen, die sich hier auf unnachahmliche Weise verknoten. Fußgänger werden erstmal in die Katakomben geschickt.
Immerhin sind diese Unterführungen inzwischen auf fast rührende Weise neu gestaltet worden. An den Wänden prangen jetzt Dichterzitate. Und auf der riesigen Verkehrsinsel in der Mitte des Kreisverkehres prangt ein kreisrundes Imax-Kino.
Von hier aus fürht mein Lieblings-Fußgängertunnel – jener mit dem blauen Sternenhimmel – zu einer der Hauptattraktionen jener Stadt: Dieses wunderbare Café unter der Brücke.
Selbst jetzt im Dezember und selbst wenn es in Strömen regnet kann man dort noch auf den Bänken draußen sitzen, während zehn Meter weiter über einem der Verkehr donnert. Davon hört man aber nichts. Stattdessen gibts hier den Bücherflohmarkt und jede Menge Straßenmusiker – die Akustik ist einmalig.
Ich trete ein, hole mir einen Kaffee setze mich ans Fenster, versuche so intellektuell wie möglich auszusehen, aber die attraktive Frau neben mir liest trotzdem lieber weiter in ihrem Buch…