Wunderbares Miramare

Ich gehe durch den Park, hinauf bis zum oberen Ende. Eine Frau führt ihre Katzen spazieren, es sind mindestens vier Stück. Das wunderbare Café im Park hat jetzt geöffnet. Ich trinke einen Cappuccino. Es nieselt leicht, aber es ist nicht kalt, fast schon wie Frühling.
Es gibt einen verwunschenen Hafen, einen verbotenen Strand und einen Bahnhof, an dem so gut wie nie ein Zug hält (aber viele Züge rauschen hindurch).

Miramare im Regen

Die Haltestelle, an der ich aussteige heißt „Miramare‟. Oder so ähnlich. Aber das Schloss ist nirgendwo zu sehen und es gibt kein Schild und keinen Weg. Die Straße führt in Serpentinen hinunter ans Meer. Da ist eine kleine Bucht mit Segelboothafen, ein Restaurant, ein Hotelgebäude und ein Bus – derjenige, mit dem ich gekommen bin. Es scheint sich um die Endstation zu handeln.
Wenn das Schloss hier nicht ist, dann muss ich daran vorbei gefahren sein, also setze ich mich in den Bus und warte. Neben mir rauscht das Meer.
Ich fahre zwei Stationen, steige aus und finde jetzt tatsächlich eine Uferpromenade, die zum Schloss Miramare führt. Das Gebäude sieht man allerdings erst nach der nächsten Wegbiegung.
Es beginnt zu regnen und ich begebe mich in den Andenkenladen, erstehe eine Postkarte und einen Kupferstich, dann hört der Regen auf und ich gehe durch den Park. Das Café hat leider geschlossen.
Ich gehe die Uferpromenade entlang. Eine junge Italienerin überholt mich, dann überhole ich sie, als sie auf ihrem Handy tippt, dann überholt sie mich wieder, als ich auf meinem Handy tippe, dann überhole ich sie wieder.
Hinter dem Pinienwäldchen ist die Promenade zu Ende, da ist eine Bushaltestelle und zwei Leute warten schon. In sieben Minuten müsste ein Bus gehen.

Triest: der Bus nach Miramare

Ich will nach Miramare.
Dazu muss ich herausfinden, wie man da hin kommt. Mit dem Bus, ist die einheilige Meinung. Und wie funktionieren die Busse?
Ich finde einen Bus. Der hält an der Haltestelle an, ich frage den Fahrer und die Richtung stimmt.
Ich setze an, einzusteigen und hole meine Brieftasche hervor – das meiner Ansicht nach weltweit international eindeutige Zeichen dafür, dass ich irgend etwas käuflich erwerben möchte, in diesem Falle also eine Fahrkarte.
Der Fahrer schaut mich streng an und winkt mit dem Zeigefinger ab: „No Tickets!“ – und wo gibt’s welche? Der Fahrer macht eine Vage Bewegung in irgendeine Richtung, schließt die Tür und dieselt davon.
Ich gehe zum Hotel zurück und frage die junge Frau an der Rezeption.
Sie erklärt mir, dass man die Bustickets im Tabakladen kauft und weist mir umständlich den Weg zur nächstgelegenen Verkaufsstelle.
Ich gehe stattdessen zum Bahnhof, das ist zwar vermutlich weiter, aber immerhin weiß ich, wo der ist. Da gibt’s auch einen Tabaksladen und der hat auch Busfahrkarten und der Mann hinterm Tresen kann mir auch sagen, welche Buslinie ich benötige…. nach längerem Suchen finde ich dann tatsächlich auch eine entsprechende Haltestelle.
Die Haltestelle befindet sich vor einem Cafe. Vor dessen Tür stehen – wie inzwischen überall im Land üblich – zwei Bistrottische mit Aschenbechern, da man drinnen ja nicht mehr rauchen darf. Auf einem Barhocker hockt ein Mann und raucht. Und redet. Und redet agitiert mit sich selbst oder mit irgendwem oder mit niemandem, manchmal steht er auch auf, geht ein paar Schritte, geht dann wieder zurück, raucht und redet weiter.
Ich bemühe mich, seine Aufmerksamkeit nicht übermäßig in Anspruch zu nehmen.
Dann gesellt sich eine junge Frau zu mir. Eine Italienerin afrikanischer Herkunft. Ob der Bus schon gekommen ist, fragt sie mich. Nee, sonst stünde ich ja wohl kaum mehr hier, oder? Sie schaut auf den Fahrplan, schaut auf ihr Handy, schaut auf die Straße, schaut in die Richtung, aus welcher der Bus kommen müsste, schaut erneut auf den Fahrplan. Nein, der Bus ist schon vorbei! Oder doch nicht? Nein, der Bus ist schon vorbei!
In einer Viertelstunde kommt der Nächste. Steht so im Fahrplan. Oder auch nicht? Irgendwann wird er schon kommen….