Septemberreise 2017 nach Italien (Trentino, Apulien) und Albanien

Die Rahmenbedingungen:

Zwei Wochen Urlaub. Der Wunsch nach einer ausgewogenen Mischung aus Erholung und Abenteuer. Dabei wollen wir auf dem Boden bleiben – also kein Flugzeug besteigen. Nach Möglichkeit wollen wir alle Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen und pro Tag nicht mehr als 6 Stunden unterwegs sein.
Wir wollen etwas Neues kennen lernen – ein neues Land oder zumindest eine neue unbekannte Region. Und wir wollen Sonne. Im September.

Die Route:

Praktische Tipps

Aufbruchsmorgen in Trient

Die Sonne strahlt vom wolkenlos blauen Himmel und die Berge strahlen zurück.
Es ist gar nicht so leicht, ein passendes Café zum Frühstücken zu finden: Lokale gibt’s genug. Auch in den Restaurants und den Bier- und Weinbars bekommt man morgens seinen Kaffee. Die Auswahl fällt schwer. Die Kunst besteht darin, es so zu machen wie die Einheimischen: ein Cappuccino und eines jener pappsüß überzuckerten mit Vanille- oder Schokoladensoße gefüllten Croissants am Tresen im Stehen zu sich zu nehmen – und dabei nicht zu krümeln.
Die Straßen sind belebt. Auf dem Markt wird verkauft, Arbeiter arbeiten, Geschäftsleute telefonieren und Touristen pilgern zur Burg, die wir auf dem Weg zum Bahnhof fast zufällig entdecken.

Nonstalbahn (Bahnstrecke Trient – Cles – Male – Mezzana)

Von Trient aus führt eine Schmalspurbahn zunächst Etsch-aufwärts parallel zur Hauptstrecke bis Mezzocorona und biegt dort ins Nonstal (Val di Non) ab. Die Strecke führt dann zunächst durch eine Schlucht, schraubt sich dann auf eine Hochebene hinauf, erreicht den Hauptort Cles und biegt dann in das Val die Sole ab.
Endstation war bislang der beschauliche Bergort Malé, inzwischen führt die Strecke aber noch ein paar Kilometer weiter bis Mezzana.
Tagsüber fahren die Züge ca. alle zwei Stunden, zur Hauptverkehrszeit auch öfters.
Die Abfahrtszeiten finden sich (nur auf italienisch) auf der Webseite von Trentino Transporti. Die Seite ist allerdings recht unübersichtlich.
Auf den Fahrplänen von Trenitalia existiert die Bahn nicht. Die Bahnhöfe haben Ticket-Schalter, einige kleinere Bahnhöfe auch Automaten. In den Zügen fahren Schaffner bzw. Zugbegleiter mit, die auch Fahrkarten verkaufen.
Die Endstation in Trient befindet sich an der Nordseite des Hauptbahnhofes (wenn man vor dem Gebäude steht nach rechts gehen oder auf dem Bahnsteig 1 in nördliche Richtung gehen) , es gibt dort eine eigene kleine Bahnhofshalle.

Der zweite Abend in Trient: Die Kunst des Aperitivo

Mildes, goldenes Abendlicht in der Stadt. Die Piazza sieht von jeder Seite aus anders aus. Die Straßen sind voller fröhlicher junger, junggebliebener und nicht ganz so junger Leute, es geht ums Sehen und gesehen werden.
Im Café am Dom ist Happy Hour. Ich ordere einen Aperol Spritz. Dazu gibt es pikant gewürzte Kartoffelecken. Anderswo gibt es zum Drink kleine Canapés, oder Oliven, Chips und Knabberzeug. Es macht Spaß, Leute zu beobachten.

Von Trient ins Nonstal

In einer Viertelstunde geht der Zug. Aber von wo? In den Fahrplänen am Bahnhof ist er nicht zu entdecken, im Internet genausowenig, und es dauert eine Weile bis wir herausfinden, dass sich am nördlichen Ende des Bahnhofes noch ein kleiner Extra-Bahnhof befindet, mit eigener Bahnhofshalle, zwei blitzsauberen Bahnsteigen und modernen Elektrotriebwagenzügen, in denen es sogar Wlan gibt. Nur Ticketautomaten sind nirgens zu sehen, man muss ganz altmodisch an den Schalter.
Das Bähnchen zockelt los, zunächst durch Vororte, dann weitläufige Obstplantagen, schließlich biegt es in das enge Seitental ein, durch eine Schlucht und dann spektakulär am Hang entlang hinauf in das Hochtal, am Stausee vorbei, durch weitere Obstplantagen, Wald und Berglandschaften zur Endstation Malé.
Wo sind wir hier?
Das Bergdorf ist in der Mittagszeit wie ausgestorben. Die Läden sind geschlossen. Es gibt zwei Kirchen und zwei Cafés und drumherum eine Menge Wald, Fels und schneebedeckte Gipfel.
Wir fahren mit dem nächsten Zug ein paar Stationen zurück nach Clés. Der Ort wirkt viel städtischer. Auf dem Markt gibt es billige Kleidung aus China und alles, was man sonst noch zum Leben braucht. Eine Seitenstraße führt aus dem Städtchen hinaus in die Obsthaine und weiter zu der Burg, die den oberen Teil des Tales bewacht.

ein Abend in Trient

Erster Spaziergang in die Stadt. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Die Straßen sind blitzsauber, es gibt Durchgänge mit Innenhöfen und schließlich landet man auf einer Prachtstraße, die auf den Dom zuführt.
Davor eine Piazza mit einem Brunnen, an der Seite mehrere Cafés. Also Zeit für einen Espresso – natürlich im Stehen an der Bar. Und jetzt noch ein Mineralwasser dazu. Wie ordert man das korrekt auf italienisch? Kann man sich einfach so in der Kühlvitrine bedienen?
Draußen regnet es wieder ganz leicht und die Flaneure packen Regenschirme aus.
Zeit fürs Abendessen. Restaurants gibt es genug: schicke und teure Restaurants, Restaurants ohne Speisekarte und einfache Pizzerien. Die italienische Kunst des Aperitif-Nehmens muss man noch lernen. Und zum Nachtisch ein Eis – da kann man nichts falsch machen in diesem Land. Den Blick über die Piazza und den Neptun-Brunnen, über die bunten Gebäude hinweg auf die Berge gibt es gratis dazu.